Der EIngang der Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) in The Hague | AFP

Chemiewaffen-Kontrolleure bestätigen Syrisches Regime verübte 2018 Chlorgasangriff

Stand: 12.04.2021 15:06 Uhr

Syrische Regierungstruppen haben nach Angaben der Kontrollbehörde OPCW bei einem Angriff im Jahr 2018 Chemiewaffen eingesetzt. Ein Armeehubschrauber habe Chlorgas abgeworfen und zwölf Personen verletzt.

Die syrische Luftwaffe hat nach Erkenntnissen internationaler Experten vor drei Jahren in der Stadt Sarakib einen Chlorgasangriff verübt. Zu diesem Ergebnis kam ein Ermittlerteam der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in einer Untersuchung, wie die OPCW mitteilte. Demnach ereignete sich der Angriff am 4. Februar 2018.

Die OPCW bestätigte, dass der Chemiewaffenangriff auf die rund 50 Kilometer südlich von Aleppo gelegene Stadt in der Provinz Idlib von den Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad verübt wurde. Es gebe "nachvollziehbare Motive zu glauben", dass ein Hubschrauber der syrischen Luftwaffe damals mindestens einen Zylinder mit Chlorgas auf den Osten von Sarakib abgeworfen habe, hieß es. Der Zylinder habe dann nach seinem Aufplatzen das Gas auf einer großen Fläche freigesetzt. Zwölf Menschen seien dadurch verletzt worden.

Die Experten hatten unter anderem Dokumente, Satellitenaufnahmen und Bodenproben analysiert. Sie hatten auch Augenzeugen und Experten befragt.

OPCW-Suche nach den Verantwortlichen

Die OPCW hatte bereits 2018 festgestellt, dass im Syrien-Krieg Chlorgas eingesetzt worden war. Ungeachtet des heftigen Widerstands von Syrien und seiner Verbündeten - darunter Russland - hatte die Mehrheit der OPCW-Mitgliedstaaten die Organisation jedoch später dazu beauftragt, auch die Verantwortlichen festzustellen und zu benennen. Der syrischen Regierungsarmee wurde immer wieder vorgeworfen, diese international geächteten Kampfstoffe einzusetzen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Team im ersten Bericht die syrische Armee für drei andere Giftgasangriffe verantwortlich gemacht. Die Assad-Regierung dementierte stets den Einsatz von Chemiewaffen. Sie versichert, alle ihre chemischen Kampfstoffe gemäß eines 2013 geschlossenen Abkommens unter internationaler Aufsicht eingelagert zu haben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. April 2021 um 15:35 Uhr.