Kettenanhänger in Form des Maschinengewehrs AK-47 | AFP
Hintergrund

Russische Söldner Was ist bekannt über die Wagner-Truppe?

Stand: 17.09.2021 21:52 Uhr

Offiziell gibt es sie nicht: Söldner im Dienste Russlands. Trotzdem waren gut ausgestattete russische Kämpfer in Syrien und anderen Krisenregionen im Einsatz - ohne Teil der Armee zu sein. Angehören sollen sie der Wagner-Truppe.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Wenn es um die Wagner-Truppe geht, ist oft von "Putins Schattenarmee", von "Russlands Söldnern" die Rede. Beides weist der Kreml weit von sich. Schließlich sind Privatarmeen in Russland verboten. Söldnertum ist strafbar. Von offizieller Seite spricht man - wenn überhaupt - nur von der "Wagner-Gruppe", einem privaten Sicherheitsunternehmen, das - wie Präsident Wladimir Putin 2018 betonte - selbstverständlich überall auf der Welt seine Dienste anbieten könne.

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Einsätze in der Ostukraine und in Syrien

Dass diese Dienste allerdings weit über reinen Personen- und Objektschutz hinausgehen, belegen Dokumente und Aussagen ehemaliger Kämpfer, die von russischen Investigativ-Journalisten über die Jahre akribisch zusammengetragen wurden. Sie zeigen, dass Wagner-Kämpfer nicht nur in der Ostukraine, sondern auch in Syrien an vorderster Front im Einsatz waren.

Zum Beispiel beim Sturm auf Palmyra 2016, sagt Ruslan Lewijew von der Recherchegruppe conflict intelligence team: "In Syrien hat die Truppe klar Aufgaben einer regulären Armee übernommen. Vom Sturm auf Städte, die in der Hand des IS waren, über die Säuberung befreiter Territorien, bis hin zur Eroberung von einzelnen Objekten im Öl- und Gas-Bereich."

Dabei, erklärt der Journalist Denis Korotkow im Interview, habe die Truppe auch schweres Gerät einsetzen können. "Bei Bedarf bekommen sie Artillerie, Panzer, Raketenwerfer, Drohnen und Mörser." Material, das kein normaler Sicherheitsdienst auf Lager hat. Wohl aber das russische Verteidigungsministerium.

Training auf dem GRU-Gelände?

Auch kein Zufall dürfte es sein, dass sich das Trainingsgelände der Truppe Recherchen zufolge auf dem Gelände des russischen Militärgeheimdienstes GRU befindet. Ein Dienst, für den auch jener Mann gearbeitet hat, dem die Truppe ihren Namen verdankt: Dmitri Utkin, Oberstleutnant der Reserve. Kampfname: Wagner. Wegen seiner Vorliebe für den deutschen Komponisten.

Wagner war mit seiner Einheit 2014 im Osten der Ukraine tätig - als Wagner-Truppe. Was erklärt, warum dort zwar gut ausgerüstete russische Kämpfer waren, nicht aber - wie der Kreml gern betont - russische Armeeangehörige.

Unternehmer Prigoschin soll Truppe finanzieren

Inzwischen finden sich Wagner-Kämpfer in vielen Krisengebieten, in denen der Einsatz regulärer Truppen sicherheitspolitisch kritisch, verlustreich oder aber international heikel wäre, es aber andererseits - wie in Afrika - durchaus handfeste wirtschaftliche und geopolitische Interessen gibt. Interessen vonseiten der russischen Führung, aber auch vonseiten jenes Mannes, der die Wagner-Truppe angeblich finanzieren soll: der Unternehmer Jewgenij Prigoschin, der als Caterer unter anderem die russische Armee versorgt.

"Ein Geschäftsmann, der dem Kreml nahe steht, mit einem breiten Interessensspektrum", erklärt Journalist Korotkow. Er werde normalerweise "Putins Koch" genannt. "Seine Unternehmen kümmern sich in der Regel um alle Veranstaltungen des Präsidenten und der Regierung, auch um große Empfänge im Kreml oder an anderen Orten in Moskau."

Im Jahr 2011 serviert der Unternehmer und Restaurantbesitzer Jewgeni Prigoschin dem damaligen Ministerpräsidenten Putin in seinem Restaurant bei Moskau das Essen. (Archivbild) | Misha Japaridze/Pool/AP/dpa

2011 servierte Prigoschin in seinem Restaurant bei Moskau Putin das Essen persönlich. Bild: Misha Japaridze/Pool/AP/dpa

In Prigoschins Firmenimperium sollen sich auch Unternehmen befinden, die in Bergbaugeschäfte in Afrika eingestiegen sind. Der Unternehmer selbst bestreitet, etwas mit der Wagner-Truppe zu tun zu haben - einer Truppe, die im Ruf steht, ohne Rücksicht auf Verluste zu agieren, und die versucht, möglichst nicht mehr an Spuren zu hinterlassen als ihren berühmten - und mittlerweile auch berüchtigten - Namen.