Rettungsschiff Ocean Viking vor dem sizilianischen Hafen Augusta | AFP

Hilfsorganisationen im Mittelmeer Rettungsschiffe dürfen anlegen

Stand: 07.08.2021 18:22 Uhr

Erleichterung auf der "Sea-Watch 3" und der "Ocean Viking": Nach tagelangem Warten auf dem Mittelmeer dürfen nun Hunderte Migranten in Italien an Land. In Deutschland gab es derweil Demonstrationen für die Seenotrettung.

Die italienischen Behörden haben zwei Seenotretterschiffen mit insgesamt mehr als 800 Bootsmigranten einen Hafen zugewiesen. Die "Sea-Watch 3" und die "Ocean Viking" bekamen binnen weniger als 24 Stunden die Erlaubnis, auf der Insel Sizilien anzulegen. Die "Sea-Watch 3" mit knapp 260 Menschen an Bord erreichte den Hafen von Trapani an der Westküste. Die "Ocean Viking" mit etwa 550 geretteten Migranten darf nach tagelangem Warten auf dem Mittelmeer nun nach Pozzallo im Südosten, wie die Organisation SOS Méditerranée mitteilte.

Die Teams der beiden Schiffe hatten die Migranten zuvor im zentralen Mittelmeer aus Seenot gerettet. Die Flüchtlinge legen meist von den Küsten Libyens oder Tunesiens ab, um die EU zu erreichen. Oft sind die Boote überfüllt und geraten in Seenot.

Mehr als 1000 Migranten ertranken

Die Helfer berichteten zuletzt, dass viele Migranten psychisch und körperlich erschöpft seien. Viele würden seekrank. Aus medizinischen Gründen durften einige Migranten nun zuvor schon an Land. An Bord der "Ocean Viking" sind nach Angaben der Hilfsorganisation auch 118 Minderjährige. Geplant sei, dass die inegsamt etwa 550 Migranten am Sonntag in Pozzallo von Bord gehen. Zuvor sollen sie auf das Coronavirus getestet werden.

Nach Angaben der Vereinten Nationen starben im Mittelmeer dieses Jahr schon mehr als 1000 Migranten. Derzeit ist auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen mit dem Schiff "Geo Barents" in der Region unterwegs.

Bundesweite Demonstrationen in 15 Städten

In Deutschland demonstrierten derweil in über 15 Städten nach Angaben der Veranstalter Tausende Menschen für die Seenotrettung. "Wir wollen uns nicht an das Sterben im Mittelmeer gewöhnen", erklärte Mariella Hettich von der Organisation Seebrücke. Die europäischen Staaten müssten endlich die Festsetzung der zivilen Seenotrettungsschiffe beenden und ein europäisches Seenotrettungsprogramm etablieren, forderte sie.

Demonstriert wurde unter anderem in Aachen, Berlin, Braunschweig, Dresden, Freiburg, Karlsruhe, Köln und München. In Hamburg sollen die Proteste am Sonntag stattfinden.

Breites Bündnis rief zu Demos auf

Unter dem Motto "Seenotrettung ist unverhandelbar" hatte ein breites Bündnis aus Seenotrettungs- und Geflüchtetenorganisationen zu den Demonstrationen aufgerufen, neben der Seebrücke die Organisationen Sea-Watch, Sea Eye, SOS Méditerranée, Mare Liberum, United4Rescue, Amnesty International, Oxfam, Ärzte ohne Grenzen und Pro Asyl.

Die Organisationen erklärten, allein in diesem Jahr seien bereits mehr als 14.000 Menschen völkerrechtswidrig "von der sogenannten libyschen Küstenwache zurück nach Libyen gebracht" worden. Dort drohten den geflüchteten Menschen Folter und schwerste Menschenrechtsverletzungen.