Kinder gehen in die Sorbier-Grundschule in Paris, Frankreich | EPA

Grundschulen wieder auf Frankreich lockert vorsichtig

Stand: 26.04.2021 11:08 Uhr

In Frankreich sind seit heute Kindergärten und Grundschulen wieder geöffnet - trotz hoher Coronazahlen und voller Intensivstationen. Für einige ein Grund zur Freude, aber es gibt auch kritische Stimmen.

Von Claudia Deeg, zzt. ARD-Studio Paris

Gemischte Gefühle vor der Rückkehr in die Schule. Ein Mädchen freut sich: "Es ist schön, die Freundinnen und die Lehrerin wieder zu sehen. Zuhause arbeitet man nicht so viel und sitzt nur vor dem Bildschirm." Auch ihre Mutter Magalie ist froh, dass es wieder losgeht. Sie sieht die Voraussetzungen in den Schulen aber kritisch: "Man hat den Eindruck, es ist wie vor einem Jahr - beim ersten Lockdown. Es sollten zwar Belüftungssysteme eingebaut werden, aber bei uns hier an der Schule in Nanterre ist noch nichts angekommen."

Claudia Deeg

Mit Lüften, Testen und Hygienemaßnahmen soll der Unterricht in Präsenz für die Jüngsten wieder anlaufen, obwohl die Corona-Zahlen weiter hoch und die Intensivstationen voll sind. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer verteidigt die Entscheidung: "Das ist mehr als nur vernünftig, das ist notwendig. Wir wissen, dass die Kinder die Schule brauchen." Die gesamte französische Gesellschaft habe das begriffen. "Wir wissen, was es bedeutet, wenn die Kinder nicht zur Schule gehen - das hat nicht nur bei der Bildung Folgen, sondern auch psychische Auswirkungen. Die Schule ist gut für die Kinder und unsere Gesellschaft sollte Kinder und junge Menschen vorrangig behandeln", so Blanquer.

Auch Mittagessen wieder möglich

Sobald ein Kind positiv getestet wird, bleibt die ganze Klasse zu Hause. Infizierte Lehrerinnen und Lehrer sollen durch Aushilfskräfte ersetzt werden, um den Unterricht zu gewährleisten. Auch das traditionelle Mittagessen in Schulkantinen wird angeboten, erklärt der Bildungsminister:

Der Schwachpunkt ist, wenn die Kinder die Masken absetzen und essen. Aber für viele Kinder ist das gemeinsame Mittagessen mit ausgewogener Nahrung wichtig, das hat gesundheitliche, aber auch soziale Aspekte. Aber klar, wenn das Kind zuhause Mittagessen kann, ist es besser.
Kinder gehen in die Sorbier-Grundschule in Paris, Frankreich | EPA

Die Grundschüler in Frankreich gehen wieder zur Schule - wie hier in Paris. Bild: EPA

Zweifel an ausreichend Tests für Schulen

Kritiker der Schulöffnungen zweifeln, ob es ausreichend Tests gibt - für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte. Vor allem, wenn in der nächsten Woche dann auch die weiterführenden Schulen öffnen. Und die Lehrergewerkschaft bedauert, dass bisher nur Lehrkräfte geimpft werden, die älter sind als 55 Jahre.

Der sicherste Unterricht laufe ohnehin im Freien ab, findet der Bildungsminister. "Der Frühsommer macht es möglich, dass immer häufiger draußen Sportunterricht stattfinden kann - aber auch andere Fächer. Warum sollte nicht auch ein normaler Unterricht draußen stattfinden? Das hätte dann auch mal was Positives. Es gibt so viel Negatives, so viele Einschränkungen in dieser Krise, die können auch was Gutes auslösen", erklärt Blanquer.

Perspektive für Bevölkerung

Mit der vorsichtigen Öffnung der Schulen versucht die französische Regierung der Bevölkerung eine Perspektive zu geben und Optimismus zu verbreiten. Sie stellt weitere Lockerungen ab Mitte Mai in Aussicht: für Geschäfte, kulturelle Einrichtungen, die Außengastronomie.

Premierminister Jean Castex geht davon aus, dass der Höhepunkt der dritten Welle hinter Frankreich liegt und der Druck der Pandemie nachlässt. Französische Wissenschaftler sind vorsichtig. Ihrer Meinung nach werden erst die kommenden Wochen zeigen, ob die dritte Corona-Welle wirklich gebrochen wurde. Das dürfte auch von der Entwicklung an den Schulen abhängen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. April 2021 um 06:47 Uhr.