Die Rettungsboote von Dungeness und Hastings laufen mit Gruppen von Menschen im Ärmelkanal in Dungeness ein. | dpa

Netz in Frankreich Schleuserring am Ärmelkanal ausgehoben

Stand: 23.09.2022 18:26 Uhr

Fahnder haben in Frankreich ein Schleusernetz ausgehoben, das Migranten über den Ärmelkanal nach England geschmuggelt haben soll. Die Ermittlungen begannen nach einem Bootskauf der Schleuser in Deutschland.

Fahnder haben im nordfranzösischen Lille ein Schleusernetz ausgehoben, das illegale Überfahrten von Migranten über den Ärmelkanal nach Großbritannien organisiert haben soll.

Nach Polizeiangaben wurden sieben Verdächtige eines irakisch-kurdischen Menschenschmugglerrings festgenommen. Zudem seien 13 Boote, 14 Bootsmotoren, 700 Schwimmwesten und 700 Liter Kraftstoff sichergestellt worden. Die Schleuser sollen pro Überfahrt bis zu 80.000 Euro verlangt haben.

Deutschland für Bandenlogistik wichtig

Auslöser der Ermittlungen sei eine Kontrolle an der deutsch-niederländischen Grenze gewesen. Mehrere Franzosen seien mit in Deutschland beschafften Booten gestoppt und kontrolliert worden, wie die Zeitung "Le Figaro" berichtete. Als später in der Lagerhalle der Bande eine weitere Lieferung von Booten aus Deutschland eintreffen sollte, hätte die Polizei zugeschlagen.

Deutschland ist für die Logistikketten vieler Banden nach Polizeiangaben wichtig. Schon oft wurden hierzulande Zwischenlager für Boote und andere Gerätschaft entdeckt.

Zahlungen ohne Spur

Anders als in Frankreich sind Zahlungen mit Bargeld, die keine Spuren hinterlassen, in Deutschland nicht auf eine Höchstsumme begrenzt. Auch wecke der Kauf von Booten in Nordfrankreich schneller Verdacht als in Deutschland. Deshalb arbeiten britische und französische Fahnder seit einiger Zeit verstärkt mit der Polizei in Deutschland, Belgien und den Niederlanden zusammen.

Mehr als 31.000 Menschen seien dieses Jahr bereits über den Ärmelkanal nach England gelangt. Allein am Donnerstag machten 1150 Menschen auf 21 Boote verteilt die Überfahrt, wie das britische Verteidigungsministerium mitteilte. Viele Migranten geraten auf ihren Booten auch in Seenot.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. September 2022 um 21:00 Uhr.