Ein brennendes Treibstoffdepot in Wassylkiw, südlich von Kiew | EPA

Krieg in der Ukraine Öldepot südlich von Kiew in Brand

Stand: 27.02.2022 03:27 Uhr

Im Verlauf schwerer Kämpfe rund um die ukrainische Stadt Wassylkiw nahe Kiew traf offenbar eine Rakete ein Öldepot. In der Stadt Charkiw ist eine Gasleitung explodiert. Gleichzeitig kommen russische Truppen wohl nicht weiter voran.

In der Stadt Wassylkiw, rund 40 Kilometer südlich von Kiew, ist in der Nacht ein Öldepot von einer Rakete getroffen worden. Die Bürgermeisterin der Stadt bestätigte der Nachrichtenagentur AP den Einschlag. Im Internet zirkulierten Videos von einem gewaltigen Brand, der das brennende Öldepot zeigen soll. Unabhängig konnte zunächst nicht bestätigt werden, ob es sich dabei tatsächlich um die Anlage in Wassylkiw handelt. In der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw ist nach Angaben der Regierung eine Gasleitung explodiert.

Russische Truppen hätten die Leitung gesprengt, erklärte das Büro von Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Nacht. Unabhängig konnte das nicht überprüft werden. Unklar war, ob es sich bei der Leitung um eine regionale Erdgasleitung oder um einen Teil der aus Russland nach Europa führenden Pipeline handelt. Heftige Kämpfe wurden auch aus anderen Landesteilen gemeldet.

Vormarsch russischer Truppen ausgebremst

Mit erbittertem Widerstand haben ukrainische Soldaten den Vormarsch der deutlich besser ausgerüsteten russischen Truppen auf Kiew auch in der Nacht zunächst offenbar ausbremsen können. "Wir werden kämpfen so lange wie nötig, um unser Land zu befreien", sagte Präsident Selenskyj. Gewaltige Explosionen erhellten den Nachthimmel über der Hauptstadt.

In Kiew verschanzten sich die Bewohner eine weitere Nacht in Wohnungen, Kellern, Tiefgaragen und U-Bahn-Stationen, während Geschosse einschlugen. Noch bis Montagmorgen gilt eine Ausgangssperre in der Hauptstadt. Jeder, der auf den Straßen angetroffen werde, werde als Angehöriger des Feindes betrachtet, warnte Bürgermeister Vitali Klitschko.

Beide Seiten melden militärische Erfolge

Wie viel ukrainisches Territorium Russland bereits erobert hat, ist nach wie vor schwer zu sagen. Beide Seiten meldeten militärische Erfolge. Die ukrainischen Streitkräfte erklärten gestern, Russland habe elf Hubschrauber und sieben Flugzeuge verloren, darunter drei Suchoi-Kampfjets. Tausende russische Soldaten sollen getötet und etwa 200 gefangen genommen worden sein.

Die russischen Truppen waren nach Einschätzung der USA und Großbritanniens in den vergangenen Tagen langsamer vorangekommen als erwartet. Eine ranghohe Quelle im Pentagon sagte, dass mehr als die Hälfte der russischen Streitmacht, die entlang der Grenze zur Ukraine zusammengezogen worden war, inzwischen in das Land eingedrungen sei.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Über dieses Thema berichteten am 26. Februar 2022 tagesschau24 um 18:00 Uhr und die tagesthemen um 23:40 Uhr.