Prinz Andrew | dpa

Verfahren gegen Prinz Andrew Greift die Queen nun tief in die Tasche?

Stand: 16.02.2022 02:46 Uhr

Nachdem das Missbrauchsverfahren gegen Prinz Andrew in New York auf eine außergerichtliche Einigung hinausläuft, dürften die Royals aufatmen. Eine spannende Frage ist nun, wie Andrew den Millionenbetrag bezahlen kann.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Statt mit einem aufsehenerregenden Prozess unter den Augen der Weltöffentlichkeit endet der Missbrauchsskandal um Prinz Andrew nun diskret mit einem Vergleich: Um welche Summe es dabei geht, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Der britische "Daily Telegraph" schreibt, es ginge um 12 Millionen Pfund, andere Schätzungen liegen auch in dem Bereich.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Dreißig Tage hat Andrew nun Zeit, die verabredete Summe zu zahlen, dann wäre das Verfahren vom Tisch. Der Buckingham Palast wollte sich zu der Einigung nicht äußern und verwies auf Andrews Status als Privatperson in dem Verfahren. Aber natürlich dürfte die Queen erleichtert sein, so Königshausexpertin Penny Junor in der BBC:

Das war aus Sicht der königlichen Familie wirklich der einzig mögliche Ausgang, den Andrew anstreben konnte. Das erspart monatelange unangenehme Enthüllungen während eines Prozesses, der das 70-jährige Thronjubiläum der Queen verdorben hätte.

Deutlich anderer Ton von Seiten des Prinzen

Ein Schuldeingeständnis ist in der veröffentlichten Verlautbarung nicht enthalten - und Giuffre zieht ihre Vorwürfe auch nicht zurück. Doch die Formulierungen von Seiten des Prinzen sind in einem deutlich anderen Ton gehalten als frühere Äußerungen von Andrew und seinen Anwälten, in denen abgestritten wurde, dass Andrew Giuffre überhaupt gekannt habe und in denen sie als unglaubwürdig bezeichnet wurde.

In der Verlautbarung heißt es nun: "Prinz Andrew hatte nie die Absicht, Frau Giuffre zu verleumden, und er akzeptiert, dass sie sowohl als Opfer von Missbrauch als auch als Folge unfairer öffentlicher Angriffe gelitten hat."

Auch Epstein findet Erwähnung

Auch auf Andrews früheren Freund Jeffrey Epstein wird direkt Bezug genommen: Es sei bekannt, dass Jeffrey Epstein über viele Jahre für den Menschenhandel mit unzähligen jungen Mädchen verantwortlich sei. Wörtlich heißt es weiter: "Prinz Andrew bedauert seine Verbindung mit Epstein und lobt den Mut von Frau Giuffre und anderen Überlebenden, sich für sich selbst und andere einzusetzen."

Das klang im berüchtigten Newsnight Interview von 2019, in dem Andrew sich vergeblich von Giuffres Vorwürfen reinwaschen wollen, noch deutlich anders, als er gefragt wurde, ob er die Freundschaft mit Epstein bereue. Damals betonte er die Kontakte, die er als Handelsattaché durch Epstein knüpfen konnte: "Nein, eigentlich nicht. Die Menschen, die ich durch ihn getroffen habe und die Chancen, die sich mir dadurch eröffnet haben, waren sehr nützlich."

Wie wird Prinz Andrew das Geld aufbringen?

Wer alles von der Zahlung von Prinz Andrew profitiert, geht aus der Mitteilung der Anwälte nicht hervor. Die Rede ist davon, dass Andrew eine substanzielle Summe an eine Wohltätigkeitsstiftung von Giuffre zahlen werde, die sich für Missbrauchsopfer einsetzt. Experten vermuten, dass aber auch Giuffre selbst Geld erhält, unter anderem, um ihre Anwaltskosten zu bezahlen.

Heiß diskutiert wird etwa in den sozialen Netzwerken nun die Frage, wie Andrew das Geld wohl aufbringt. Der Prinz hatte kürzlich für mehrere Millionen sein Ski-Chalet in der Schweiz verkauft. Doch der "Daily Telegraph" schreibt, die Queen werde Andrew unterstützen, und das hält auch Königshausexpertin Emily Andrews für realistisch:

Andrew hat seine Rente aus seiner Zeit bei der Royal Navy, und er bekommt eine Apanage von der Queen. Der Buckingham Palast wird das niemals zugeben, aber es wird durchaus vermutet, dass die Queen aus ihrem Privatvermögen - wohlgemerkt nicht aus Steuergeldern - einen Großteil des Geldes für den Vergleich zahlen wird.

Prinz Andrew wird wohl Einsiedler bleiben

Wer nach dem Vergleich nun besser dasteht - der Angeklagte Prinz Andrew oder die Klägerin Virginia Giuffre - da gehen die Meinungen auseinander. Der britische Medienanwalt Mark Stephens meint, beide Seiten würden profitieren:

Der Vergleich ist für beide ein ehrenvoller Ausweg. Giuffre bekommt das Eingeständnis, dass sie ein Missbrauchsopfer war, sie bekommt Geld und bringt Andrew dazu, für Missbrauchsopfer und ihre Anwälte zu zahlen. Und sie vermeidet vor Gericht ein unangenehmes Verfahren. Auch Andrew vermeidet den Prozess, muss aber sehr viel Geld zahlen, wieviel, darüber gibt es ein Stillschweigeabkommen. Er ist zwar bestimmt nicht rehabilitiert, aber er hat mit dem Vergleich für die Königsfamilie getan, was in seiner Macht stand.

In dem Vergleich stimmt Andrew zu, sich künftig im Kampf gegen Sexhandel zu engagieren und sich für Missbrauchsopfer einzusetzen. Das wird er vermutlich diskret tun müssen, denn Mark Stephens ist sich sicher, dass Andrew auch künftig das Leben eines Einsiedlers führen und auf keinem königlichen Balkon mehr auftauchen wird.

Prinz Andrews Kontakte zu Epsteins Missbrauchsring

Wegen der Vorwürfe und seiner früheren Kontakte zu Epstein gab Prinz Andrew bereits 2019 seine royalen Pflichten auf und zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Im Januar verlor er seine militärischen Titel und seine royalen Schirmherrschaften, als sich die Königsfamilie klar von ihm abgrenzte.

Ein Prozess in New York hätte voraussichtlich im Herbst stattgefunden und riesige mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Virginia Giuffre gibt an, als Minderjährige Opfer des von dem US-Multimillionär Jeffrey Epstein und seiner Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsrings geworden zu sein. Nach eigenen Angaben wurde sie dabei mehrmals zum Missbrauch an Andrew vermittelt.

Die mit Andrew viele Jahre befreundete Maxwell war erst vor kurzem von einem Gericht in einem US-Strafverfahren in mehreren Punkten schuldig gesprochen worden, unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken, und muss mit einer langen Haftstrafe rechnen. Epstein nahm sich 2019 in Untersuchungshaft das Leben.