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Rangliste von "Reporter ohne Grenzen" Warum die Skandinavier vorn liegen

Stand: 03.05.2022 11:29 Uhr

Wenn es um die Rangliste der Pressefreiheit geht, dann stehen die skandinavischen Länder immer ganz weit oben - auch in diesem Jahr. Warum das so ist und warum auch im Norden nicht alles perfekt ist.

Von Arne Bartram, ARD-Studio Stockholm

Wie schon in den vergangenen Jahren ist Norwegen das beste Land für Journalistinnen und Journalisten, um ohne Angst arbeiten zu können. Auf den Plätzen zwei und drei der Rangliste der Pressefreiheit stehen in diesem Jahr Dänemark und Schweden. Alles skandinavische Länder.

Dass sie seit Jahren die oberen Plätze der Liste dominieren, sei kein Zufall, sagt Juliane Matthey, Pressereferentin für Europa bei "Reporter ohne Grenzen":

Pressefreiheit hat in diesen Ländern schon seit Generationen einen sehr hohen Stellenwert und das hat sich in den letzten Jahren auch nicht geändert. Tendenzen, die wir in anderen Staaten gesehen haben - sprich zunehmende Polarisierung und zunehmende Medienfeindlichkeit seitens der Politik - gibt es in diesen Staaten fast gar nicht.

Rechtssicherheit für Journalisten

Es hat also zum einen mit der Stimmung in den Ländern zu tun. Aber auch die Rechtssicherheit ist für Journalisten in Nordeuropa besser als in vielen anderen Teilen der Welt. "In fast allen skandinavischen Ländern ist die Gesetzgebung sehr stark pressefreundlich, es gibt also starke Informationsfreiheitsgesetze", betont Matthey. Damit seien öffentliche Informationen für Journalisten, aber auch für die breite Öffentlichkeit frei zugänglich.

Weitreichend Transparenz

Das hilft natürlich enorm dabei, wichtige Informationen aufzudecken, wo in anderen Teilen der Welt die Behörden eher mauern. Die Transparenz geht sogar soweit, dass beispielsweise in Schweden jeder mit einer kurzen Anfrage über das Internet einsehen kann, was jemand anderes im Jahr verdient, wie viele Autos auf diesen Menschen registriert sind und ob die Person vorbestraft ist.

Trotzdem gibt es auch in Skandinavien Probleme, beobachtet Björn Palmertz von der schwedischen Behörde für psychologische Verteidigung: "Drohungen und Hass gegen Journalisten haben in den letzten Jahren zugenommen, gleichzeitig aber auch das Bewusstsein bei den Medienunternehmen, ihre Angestellten besser zu schützen."

Behörde gegen Desinformation

Die Behörde für psychologische Verteidigung war dieses Jahr extra in Schweden gegründet worden, um auf die steigenden Angriffe und Desinformationskampagnen im Internet zu reagieren.

Dieses Phänomen macht auch Matthey von "Reporter ohne Grenzen" Sorgen. "Immerhin: Übergriffe im realen Leben sind in Skandinavien weiter die Ausnahme." In Deutschland habe ihre Organisation hingegen im vergangenen Jahr so viele Übergriffe auf Journalisten gezählt, wie noch nie.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Mai 2022 um 07:50 Uhr.