Ein Stimmzettel für die Präsidentenwahl wird in eine Wahlurne geworfen. | EPA

Präsidentenwahl in Italien Kein Sieger im ersten Durchgang

Stand: 24.01.2022 23:28 Uhr

Sechs Stunden hat der Wahldurchgang gedauert, doch einen neuen Präsidenten hat Italien immer noch nicht. Die meisten Abgeordneten enthielten sich, weil sich die Parteien bisher nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Staatsoberhaupt weiter gesucht! Die Wahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers für Italiens Präsident Sergio Mattarella ist im ersten Durchgang gescheitert - wie erwartet. Die großen Fraktionen, unter anderem die Fünf-Sterne-Bewegung, der sozialdemokratische PD oder die rechte Lega, hatten ihre Wahlfrauen und -männer aufgerufen, sich zu enthalten.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Hintergrund: Die zaghaften Versuche, sich auf einen parteiübergreifend akzeptierten Kandidaten oder eine Kandidatin zu verständigen, sind bislang gescheitert. Im ersten Wahlgang enthielten sich am Ende zwei Drittel der 1008 Wahlberechtigen. 672 gaben sogenannte "schede bianche", weiße Zettel, ab. 

Parteien suchen gemeinsamen Kandidaten

Parallel zur mehr als sechs Stunden dauernden Abstimmung haben die großen Parteien in Rom aber ihre Bemühungen verstärkt, sich auf einen gemeinsamen Vorschlag zu verständigen.

Als Favorit für eine parteiübergreifende Lösung gilt nach wie vor der aktuelle Ministerpräsident Mario Draghi. Laut Nachrichtenagentur Ansa hat Draghi im Laufe des Abends unter anderem Gespräche geführt mit dem Vorsitzenden der Sozialdemokraten, Enrico Letta, dem Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, Giuseppe Conte, und dem Führer der Lega, Matteo Salvini.

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi sitzt in seinem Amtssitz Palazzo Chigi in Rom auf einem goldenen Sessel | via REUTERS

Italiens Ministerpräsident Draghi gilt als Favorit. Er könnte am Donnerstag im vierten Wahlgang gewählt werden. Bild: via REUTERS

Als größte Hürde für Draghi gilt die Frage: Wer könnte an seiner Stelle die Führung der Regierung übernehmen? Es wird damit gerechnet, dass bei einer Einigung der Parteien auf Draghi als Staatspräsidenten auch Absprachen getroffen werden, wer Draghi an der Spitze der Regierung nachfolgen soll.

Mögliche Entscheidung am Donnerstag

Als Tag für eine mögliche Entscheidung gilt Donnerstag, wenn der vierte Wahlgang stattfindet. Dann reicht zur Wahl die absolute Mehrheit, also 50 Prozent der Wahlberechtigten plus eine Stimme. In den ersten drei Durchgängen ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.

Stimmberechtigt sind 1008 Wahlfrauen und -männer, die Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus Senat und Abgeordnetenkammer sowie Vertreter der Regionen. Ab Mittwoch erhöht sich die Zahl der Wahlberechtigten auf 1009, dann wird ein kürzlich verstorbener Abgeordneter durch eine Nachfolgerin ersetzt.

Symbolische Stimmabgabe im ersten Wahlgang

Den am Ende bedeutungslosen ersten Wahlgang haben einige Wahlfrauen und -männer für symbolische Voten genutzt. 16 Stimmen erhielt beispielsweise der scheidende Staatspräsident Mattarella, der nicht wieder antritt, neun Stimmen entfielen auf Justizministerin Marta Cartabia, die in den vergangenen Wochen immer wieder als mögliches erstes weibliches Staatsoberhaupt genannt wurde.

Die meisten Stimmen (36) im ersten Wahlgang erhielt der Jurist Paolo Maddalena, der sich als Staatsanwalt unter anderem mit Strafverfahren zu Umweltverbrechen einen Namen gemacht hat. Maddalena war von einer Gruppe vorgeschlagen worden, die sich von der Fünf-Sterne-Bewegung abgespalten hat. Wie üblich in Rom bei bedeutungslosen ersten Wahlgängen erhielten auch diesmal Showgrößen und Sportler Stimmen. Unter anderem wurde für Torwartlegende Dino Zoff und Talkshowmoderator Bruno Vespa votiert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Januar 2022 um 01:50 Uhr.