Demonstrantinnen der Gruppe "Polskie Babcie" | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Protestgruppe "Polskie Babcie" "Polnische Großmütter" für die Freiheit

Stand: 25.02.2021 06:40 Uhr

Klimaschutz, Menschen- und Minderheitenrechte bewegen nur die Jugend? Nicht in Warschau: Dort demonstriert die Protestbewegung "polnische Großmütter" jeden Donnerstag für die Rechte ihrer Enkelkinder.

Von Olaf Bock, ARD-Studio Warschau

Malgorzata Wolynska ist schon 78 Jahre alt und schon lange in Rente. Während andere sich in diesem Alter nur um ihre Kinder- und Enkelkinder kümmern, macht sie sich Sorgen um die Zukunft des Landes. Mit ihrer Wollmütze mit rotem Blitz, dem Zeichen der Frauenproteste, ist sie mit ihren Altersgenossinen bei den Protesten gegen das verschärfte Abtreibungsrecht dabei.

Olaf Bock ARD-Studio Warschau

Schon bei dem Thema Justizreform ging sie auf die Straße, obwohl sich ihre Enkelkinder dabei immer Sorgen um sie machen, erzählt sie. Das kennt auch Krystyna Piotrowska: "Aber mein zehnjähriger Enkel sagt: 'Oma ich bin stolz auf Dich'", sagt sie. "Was könnte mich mehr freuen, als diese Worte."

Eine Teilnehmerin der Gruppe "Polskie Babcie" | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Eine Teilnehmerin der Gruppe "Polskie Babcie" protestiert - in diesem Fall für bessere Bildungspolitik. (Foto vom Oktober 2020). Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die alte Garde der PiS-Gegnerinnen

Einige der alten Streiterinnen für Bürgerrechte sind schon seit dem Machtantritt der nationalkonservativen PiS-Regierung auf der Straße. Für die Medienfreiheit und LGBTQ-Rechte, gegen die Justizreform und jetzt neuerdings gegen das restriktive Abtreibungsrecht. Inzwischen haben sich die Frauen zu einem Verein zusammengeschlossen. Die polnischen Großmütter, die "Polskie Babcie" haben eine eigene Facebook-Seite und posten dort Artikel, Fotos und Informationen über die nächsten Demos, bei denen sie mitmachen wollen.

Auf ihrem Vereinslogo sind Regenbogenfarben - als Zeichen der Solidarität mit der LGBTQ-Bewegung. Jeden Donnerstag organisieren die polnischen Großmütter ihren eigenen, kleinen Protest und treffen sich an einem Platz in der Warschauer Innenstadt. Da stehen sie dann mit Postern und Transparenten zu unterschiedlichen Themen. "Klar, bei Winterwetter sind es nur wenige Teilnehmerinnen", sagt Malgorzata Wolynska. Aber sie kommt schonauf 137 Teilnahmen.

"Unser Widerstand - Tropfen, der den Stein höhlt"

Bei ihren Protestaktionen versuchen sie dann mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Sprechen mit ihnen über Menschen- und Frauenrechte, über Polen in der EU und über ihre Kritik an der jetzigen Regierungspolitik.

Viele junge Menschen bedanken sich bei ihnen für ihre Aktivitäten. Andere sehen das eher kritisch - und so gibt es auch Beschimpfungen bei den Demonstrationen oder im Internet. Für die Frauen sind das auch Zeichen einer sich zunehmend polarisierenden Gesellschaft in zentralen Fragen. Trotzdem wollen sie weitermachen. "Wir glauben, dass unser Widerstand der Tropfen ist, der den Stein höhlt. Wir müssen Solidarität zwischen den Generationen aufbauen. Wir Omas werden immer für die Jungen protestieren", meint eine andere Teilnehmerin der Proteste. Als spontan entstandene Bürgerbewegung wollen sie weiter für die Freiheiten ihrer Kinder und Enkelkinder eintreten.

Protest bei Eis und Schnee

In diesen Tagen müssen sich die polnischen Großmütter warm anziehen, wenn sie zu den Protestaktionen gehen. Denn die kühlen Temperaturen machen den Knochen und Gelenken schon zu schaffen, meint Wolynska. Trotzdem sind sie regelmäßig auf der Straße zum Protest: Es gibt noch viel zu tun, sagt sie.

Und sollte sie bei den Demos doch mal festgenommen werden, hat sie auch schon vorgesorgt. Einen zweiten Satz Wäsche führt sie mit sich, damit sie sich auf der Wache auch umziehen kann, wenn es dort mal länger dauern sollte. Die "polnischen Großmütter" planen noch lange nicht, sich aufs Altenteil zurückzuziehen.