Alexander Schallenberg | dpa

Österreichs neuer Kanzler Wer ist Alexander Schallenberg?

Stand: 12.10.2021 09:23 Uhr

Nach dem Rücktritt von Kurz ist Alexander Schallenberg Österreichs neuer Kanzler. Wer ist der Mann, dem der politische Aufstieg an Kurz' Seite gelang?

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Alexander Schallenberg hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere hingelegt. Nach eigener Aussage war schon das Amt des Außenministers nicht Teil seiner Lebensplanung - nun soll der Spitzendiplomat 16. Bundeskanzler der Republik Österreich werden. 

Srdjan Govedarica ARD-Studio Wien

Am Sonntag sprach Schallenberg mit Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Vorab sagte er nur wenige Worte: "Überraschung für uns alle. Wie sich's gehört, gehe ich jetzt zum Bundespräsidenten, und dann werden wir alles weitere besprechen. Bitte verstehen Sie, ich werde erst nach der Angelobung kommunizieren."

Schon früh für Kurz gearbeitet

Schallenberg wächst als Diplomatensohn in Indien, Spanien und Frankreich auf, studiert später Jura. Fünf Jahre lang leitet er dann die Rechtsabteilung der österreichischen EU-Vertretung in Brüssel. Zurück in Österreich wird Schallenberg Pressesprecher im Außenministerium.

In dieser Funktion arbeitet Schallenberg auch für den jungen Außenminister Sebastian Kurz, dieser macht ihn zum "Leiter für strategische außenpolitische Planung". Kurz nimmt Schallenberg 2017 auch mit ins Kanzleramt, wo er die Stabsstelle Strategie und Planung leitet.

Bisheriger Frankreich-Botschafter Linhart wird neuer Außenminister

Der österreichische Diplomat Michael Linhart wird neuer Außenminister seines Landes. Der bisherige Botschafter in Paris folgt auf Alexander Schallenberg und soll nach dessen Vereidigung zum Bundeskanzler ebenfalls seinen Amtseid ablegen. Der 63-Jährige war vor seiner Botschaftertätigkeit als Generalsekretär der oberste Beamte im Außenministerium. Politische Erfahrung sammelte er unter anderem als Berater des damaligen Kanzlers Wolfgang Schüssel.

Ministeramt dank Ibiza-Skandal

Seinen nächsten Karrieresprung verdankt der heute 52-jährige Schallenberg dem Ibiza-Skandal. Nach dem Zusammenbruch der ÖVP-FPÖ-Regierung wird Schallenberg Außenminister in den Übergangsregierungen von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein. Das bleibt er auch nach dem neuerlichen Wahlsieg von Kurz im Herbst 2019.

Am Samstag dann die Überraschung: Schallenberg soll nach dem Rücktritt von Kurz ins Kanzleramt aufsteigen. "Es ist eine enorm herausfordernde Aufgabe und Zeit", sagt er. "Nicht leicht - für keinen von uns, aber ich glaube, wir zeigen ein unglaubliches Maß an Verantwortung für dieses Land."

Ganz auf der Linie von Kanzler Kurz

In die Tagespolitik mischt sich der gelernte Diplomat bislang eher selten ein. Und wenn, dann ganz auf Linie von Sebastian Kurz, dessen Vertrauen Schallenberg genießt. Zum Beispiel in Migrationsfragen: Im September 2020 unterstrich Schallenberg die Haltung Österreichs, keinen einzigen Menschen aus dem abgebrannten Elendslager Moria aufzunehmen, im ORF-Fernsehen mit den Worten: "Wir müssen diese Debatte, glaube ich, deemotionalisieren, wir müssen sie rationalisieren. Und nicht bei jedem Fall, wenn ein Schiff an der Küste Europas auftaucht oder ein Zwischenfall in einem Lager ist oder eben so eine Notlage, gibt es sofort das Geschrei der Verteilung. Das kann nicht die Lösung sein, bitte."

Später bedauert Schallenberg seine Wortwahl, in der Sache bleibt er aber bei seiner Haltung: "Ich bin da eindeutig Überzeugungstäter und Populismus ist das bitte überhaupt nicht."

"Wir haben noch viel vor"

Jetzt wird Schallenberg eine Regierung anführen, an der die Grünen beteiligt sind, die in Migrationsfragen meilenweit von der ÖVP entfernt sind. Und nach den jüngsten Verwerfungen rund um die Person Kurz dürfte sich die Stimmung zwischen den Koalitionspartnern noch weiter abgekühlt haben.

Schallenberg dazu ganz diplomatisch in einem Fernsehinterview Ende September: "Das sind zwei sehr unterschiedliche Parteien, die eine Koalition bilden. Das ist keine Liebesehe. Da knirscht es auch mal im Gebälk. Aber die Zusammenarbeit funktioniert eigentlich sehr gut und wir haben noch viel vor in den nächsten Jahren."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Oktober 2021 um 05:15 Uhr.