Zwei norwegische Soldaten patrouillieren an der norwegischen Grenze zu Russland. | AFP

Militärübung "Cold Response" Norwegen probt den Verteidigungsfall

Stand: 10.03.2022 13:46 Uhr

Ab heute übt Norwegen mit NATO-Partnern die Landesverteidigung. Mehr als 30.000 Soldaten sind am Manöver "Cold Response" beteiligt. Einen Zusammenhang mit der derzeitigen Sicherheitslage gebe es nicht, betonte Norwegens Militär.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Schon seit Monaten bereitet sich Norwegen auf eine der größten Militärübungen seit Ende des Kalten Kriegs vor. Seitdem kommen Soldatinnen und Soldaten anderer Staaten ins Land. Bis Ende des Monats sollen es mehr als 30.000 sein. "Cold Response" ist eine traditionelle Winterübung bei der die Verteidigung des Landes geprobt wird.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Doch in diesem Jahr ist von Tradition und Routine wenig zu spüren, sagt die norwegische Soldatin Vilde Vårdal: "Wir wissen noch nicht genau, wie die Übung ablaufen wird. Aber sie wird unsere Zusammenarbeit stärken."

"Übungen im ganzen Land"

Aus knapp 30 NATO-Mitgliedsstaaten und deren Partnerländern reisen nicht nur die Soldatinnen und Soldaten an. Sie bringen auch Waffen und Fahrzeuge mit. Die meisten kommen aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Die Übungen finden auf dem Wasser, in der Luft und an Land statt.

"Wir starten jetzt in dieser Woche mit maritimen Kräften. Die Truppen der NATO werden nach Norwegen verlegt", erklärt der Chef der norwegischen Streitkräfte, Yngve Odlo. "Vom mittelnorwegischen Trøndlag ziehen sich die Übungen dann zunächst bis in den Norden. Ab der kommenden Woche finden Übungen im ganzen Land statt - vom südlichen Fredrikstad bis ins nördliche Nordkjosbotn."

"Russland kennt die Übung schon sehr lange"

Straßen müssen teilweise gesperrt werden, Schüsse werden zu hören sein: Die Norwegerinnen und Norweger werden einen Monat lang die Präsenz der Truppen zu spüren bekommen. Kommandeur Odlo betont, dass es sich um eine von langer Hand geplante Routine-Übung handele, bei der die Verteidigung des Landes unter schwierigen, klimatischen Bedingungen geprobt werde.

Es gebe keinen akuten Zusammenhang mit der derzeit angespannten Sicherheitslage, sagt Odlo. Transparenz sei jedoch wichtiger als je zuvor, alle Mitglieder der 57 OSZE-Staaten wurden eingeladen, Beobachter zu der Übung zu schicken. Das könne gar eine Chance sein in diesen angespannten Zeiten, glaubt Henrik Urdal vom Osloer Friedensforschungsinstitut PRIO.

"Auch Russland kennt die Übung schon sehr lange. Ich hätte es falsch gefunden, wenn man sie jetzt auf Grund des Kriegs in der Ukraine abgesagt oder verkleinert hätte." Das wäre einfach ein falsches Signal gewesen, meint der Wissenschaftler. "Die Übungen helfen dabei den Truppen, aber auch den Beobachtern der Länder Abläufe besser zu verstehen."

Offenbar keine Bedrohung für Norwegen

Russland hat die Einladung, Beobachter zu schicken, ausgeschlagen, teilte jedoch mit, dass man die Transparenz sehr schätze. Bis zum 10. April werden die internationalen Truppen gemeinsam die Verteidigung Norwegens proben.

Derzeit allerdings gebe es keinen Anlass zu denken, dass ein Verteidigungsfall in naher Zukunft wirklich eintreten könnte, sagt Kommandeur Odlo. An der Grenze zu Russland sei alles wie immer, eine Bedrohung für Norwegen liege nicht vor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Februar 2022 um 18:40 Uhr.