Migranten steigen außerhalb des niederländischen Asylzentrums in Ter Apel in Busse.  | AFP

Niederlande Asylsuchende aus überfülltem Lager verlegt

Stand: 27.08.2022 14:25 Uhr

Die Kritik an den katastrophalen Zuständen vor dem niederländischen Asylzentrum in Ter Apel wurde immer lauter. Hunderte Migranten harren dort seit Tagen in einem provisorischen Lager aus. 400 von ihnen wurden nun verlegt.

Sie schlafen auf dem Boden in improvisierten Zelten, es gibt kaum Duschen oder ausreichend Toiletten: Hunderte Asylsuchende campieren seit Tagen vor dem überfüllten Aufnahmezentrum im niederländischen Ter Apel. Die Gesundheitsbehörden bezeichnete die Lage in dem behelfsmäßigen Lager als verheerend.

Etwa 400 Menschen wurden inzwischen verlegt, erklärte der Sprechers der Zentralbehörde für die Aufnahme von Asylsuchenden, Leon Veldt. Sie seien in der Nacht mit Bussen abgeholt worden. Bereits am Freitag waren 150 Migranten in zwei Sporthallen gebracht worden.

Ärzte ohne Grenzen im Einsatz

Bei einem Besuch des provisorischen Camps hatten Vertreter der Gesundheitsbehörden schwere Hygienemängel festgestellt. Es bestehe ein ernsthaftes Risiko für den Ausbruch von Infektionskrankheiten. Die Umstände waren so schlecht, dass der niederländische Zweig von Ärzte ohne Grenzen ein Team nach Ter Apel entsandte - zum ersten Mal überhaupt im eigenen Land.

In dieser Woche hatten zeitweise bis zu 700 Menschen die Nacht vor dem Aufnahmezentrum verbracht. Eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen verglich die Situation mit der im ehemaligen Lager Moria in Griechenland.

Nach Angaben des Roten Kreuzes schliefen die Asylsuchenden auf dem Boden - die meisten nur spärlich zugedeckt. Über das Schlaflager seien Zeltplanen gespannt. Es gebe acht mobile Toiletten und fließendes Wasser, aber keine Duschen.

In einer Sporthalle in Ter Apel, in der Migrantinnen und Migranten untergebracht worden waren, war diese Woche ein drei Monate altes Baby gestorben. Die Behörden kündigten eine Untersuchung zur Todesursache an.

Asylbewerber warten in einer Schlange vor dem Tor des Antragszentrums in Ter Apel auf Essen, Niederlande. | AFP

Asylsuchende warten vor dem Tor des Asylbewerberzentrums in Ter Apel auf Essen. (aufgenommen am 26. August 2022) Bild: AFP

Regierung will Maßnahmen ergreifen

Der niederländische Premierminister Mark Rutte sagte, er schäme sich für die Szenen in Ter Apel. Am Freitagabend kündigte die Regierung eine Reihe von Maßnahmen an, um die Krise bei der Unterbringung von Asylbewerbern im Land zu entschärfen. So sollen Familienzusammenführung von Flüchtlingen und der Zahl der ankommenden Migranten vorübergehend eingeschränkt werden.

Außerdem will die Regierung mit den Kommunen kooperieren, um mehr Wohnungen für Menschen zu schaffen, die einen Flüchtlingsstatus erhalten, damit sie schneller aus den Asylbewerberheimen ausziehen können und Platz für Neuankömmlinge frei wird.

Das niederländische Militär wurde mit dem Bau eines neuen Lagers beauftragt, in dem Menschen untergebracht werden sollen, die im Zentrum Ter Apel auf die Registrierung ihrer Asylanträge warten.

Anwohnerinnen und Anwohner protestierten gegen die Situation. Das niederländische Flüchtlingshilfswerk hatte bereits vergangene Woche gegen den niederländischen Staat geklagt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. August 2022 um 14:00 Uhr.