Menschen legen Blumen am Ort des Anschlags auf Nemzow nahe des Kreml nieder. | dpa

Jahrestag des Anschlags in Moskau Gedenken an Nemzow - Preis für Nawalny

Stand: 27.02.2021 23:33 Uhr

Vor sechs Jahren wurde der Oppositionelle Nemzow in Moskau erschossen. Er galt damals als einer der schärfsten Putin-Kritiker. Am Anschlagsort erinnerten Tausende an ihn. Seine Stiftung vergab einen Preis an den heute schärfsten Kreml-Kritiker.

In Moskau haben Tausende Menschen des vor sechs Jahren ermordeten Oppositionspolitikers Boris Nemzow gedacht. Viele Russen aber auch westliche Diplomaten kamen im Laufe des Tages zum Anschlagsort auf einer Brücke in der Nähe des Kreml, auf der Nemzow am 27. Februar 2015 erschossen worden war.

Auch die Botschafter zahlreicher Länder, unter anderem der deutsche, erinnerten am Tatort an den ermordeten Politiker. Nemzow war einer der wichtigsten Vertreter der liberalen Opposition in Russland - und ein scharfer Kritiker von Präsident Wladimir Putin. Zwar wurden 2017 wegen des Mordanschlags fünf Männer aus dem Nordkaukasus zu Haftstrafen verurteilt. Nemzows Familie kritisiert, nach den eigentlichen Drahtziehern sei aber nie ernsthaft gesucht worden.

US-Außenminister: Wer für Freiheit kämpft, gerät ins Visier

"Wir kommen jedes Jahr an diesem Tag hier zusammen, um den Behörden zu zeigen, dass wir nicht vergessen haben und nicht vergessen werden", sagte der ehemalige Ministerpräsident und Oppositionspolitiker Michail Kasjanow vor Journalisten. Er sei sicher, dass "das, wofür Boris gekämpft hat - Freiheit für die Russen, ihr Wohlbefinden und ein Leben in Würde - bald kommt", ergänzte er.

In einer Erklärung erinnerte auch US-Außenminister Antony Blinken an den ermordeten Putin-Kritiker. "Während wir Nemzow gedenken, bekräftigen wir unser unerschütterliches Bekenntnis zu den Menschenrechten und Grundfreiheiten", so Blinken. Nemzow habe sein Leben dem Aufbau eines "freien und demokratischen Russlands" gewidmet. "Jene, die in Russland ihre Meinung sagen, um ihre Freiheiten und die Demokratie zu verteidigen, geraten nach wie vor ins Visier für Angriffe oder Mordanschläge." Die russische Bevölkerung habe etwas Besseres verdient, heißt es in Blinkens Erklärung.

Menschen legen Blumen am Ort des Anschlags auf Nemzow nahe des Kreml nieder. | dpa

Demonstrationen sind wegen der Corona-Pandemie verboten - viele Menschen legten Blumen am Ort des Anschlags nahe des Kreml nieder. Bild: dpa

Nemzow-Stiftung zeichnet Nawalny aus

Während in den vergangenen Jahren ein Gedenkmarsch im Zentrum von Moskau stattfand, zog die Opposition in diesem Jahr zum Tatort, wo eine improvisierte Gedenkstätte von den Behörden immer wieder zerstört wird. Demonstrationen sind derzeit wegen der Corona-Pandemie verboten.

Die nach Boris Nemzow benannte Stiftung zeichnete am Jahrestag des Anschlags den inhaftierten Kreml-Gegner Alexej Nawalny mit einem Preis aus - für dessen Mut zur Verteidigung demokratischer Werte, wie es in der Begründung hieß. Die Nemzow-Stiftung forderte Nawalnys sofortige Freilassung. Nawalny wurde in den vergangenen Tagen in ein Straflager gebracht. Er hatte im August nur knapp einen Mordanschlag mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok überlebt, für den er den Kreml verantwortlich macht.

Mit Informationen von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2021 um 16:00 Uhr in den Nachrichten.