Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby  | AP

Ukraine-Konflikt 8500 US-Soldaten in Alarmbereitschaft

Stand: 24.01.2022 22:15 Uhr

Die NATO-Staaten bereiten sich auf einen möglichen Einmarsch Russlands in die Ukraine vor. Die USA erwägen, bis zu 8500 Soldaten nach Osteuropa zu verlegen. Zugleich gehen die diplomatischen Bemühungen weiter.

Wegen der Ukraine-Krise hat die US-Regierung laut Verteidigungsministerium etwa 8500 Soldaten in den Vereinigten Staaten in erhöhte Bereitschaft versetzt. Ministeriumssprecher John Kirby betonte aber, eine Entscheidung über eine Verlegung dieser Truppen nach Europa sei noch nicht getroffen worden.

Die entsprechenden Einheiten seien auf Anweisung von US-Präsident Joe Biden und nach Empfehlung von Verteidigungsminister Lloyd Austin in erhöhte Bereitschaft versetzt worden.

"So sind sie darauf vorbereitet, auf eine Bandbreite von Eventualitäten zu reagieren, einschließlich der Unterstützung der NATO-Reaktionskräfte, falls diese aktiviert werden", sagte Kirby. Über die Aktivierung dieser "NATO Response Force" (NRF) entscheide die NATO. Kirby sprach im Zusammenhang mit der erhöhten Bereitschaft von einer "Rückversicherung für unsere NATO-Verbündeten".

Westliche Staaten befürchten einen Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Moskau dementiert, dass es solche Pläne gebe. Die "New York Times" hatte berichtet, Biden erwäge, Kriegsschiffe und Flugzeuge zu NATO-Verbündeten im Baltikum und in Osteuropa zu verlegen sowie mehrere tausend US-Soldaten zu entsenden. Die USA haben in Europa auch außerhalb von Krisenzeiten Zehntausende Soldaten stationiert.

Biden stimmt sich mit Verbündeten ab

Für Montagabend ist noch eine hochrangige Videoschalte geplant, in der sich die USA mit ihren Verbündeten über das weitere Vorgehen abstimmen wollen. Neben US-Präsident Joe Biden sollen auch Bundeskanzler Olaf Scholz, der französische Präsident Emmanuel Macron, der italienische Regierungschef Mario Draghi, der polnische Präsident Andrzej Duda, der britische Premierminister Boris Johnson, NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel teilnehmen.

Auch mit Russland sollen die Gespräche fortgeführt werden, etwa im sogenannten Normandie-Format. Vertreter Russlands und der Ukraine wollen am Mittwoch offenbar zu Gesprächen in Paris zusammenkommen. Gemeinsam mit Frankreich und Deutschland soll ein Treffen auf Beraterebene stattfinden, wie es aus Kreisen des französischen Präsidialamtes hieß. Inhaltlich solle es darum gehen, humanitäre Maßnahmen auszuhandeln und ein Datum zu bestimmen, an dem die Ukraine und Separatisten über ein Gesetz zum Status des Donbass diskutieren.

NATO verstärkt Militärpräsenz im Osten

Eine Reihe von NATO-Mitgliedstaaten hatte zuvor angekündigt, ihre Militärpräsenz in Osteuropa zu verstärken. Das Bündnis erklärte, es verstärke seine "Abschreckungs"-Präsenz im Ostseeraum. Demnach sollen zusätzliche Kampfflugzeuge und Marineschiffe in die Ostsee und in osteuropäische Länder wie Litauen oder Bulgarien entsandt werden. Bündnisstaaten wie Dänemark, Spanien und die Niederlande stocken ihre Militärpräsenz in Osteuropa auf, die USA und Frankreich erwägen dies.

Russland warf den USA und der NATO einen gefährlichen Eskalationskurs vor. Nicht Russland sei der Ursprung der Spannungen, sondern die "Informationskampagne" und "Hysterie" der USA und der NATO, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow angesichts der Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine und des Abzugs von Mitarbeitern westlicher Botschaften in Kiew.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Januar 2022 um 22:45 Uhr.