US-Soldaten machen sich in Kundus zum Abflug in einem Hubschrauber vom Typ UH-60 Blackhawk bereit. | dpa

Bis zu 4000 Soldaten NATO weitet Irak-Mission aus

Stand: 18.02.2021 18:04 Uhr

Die Verteidigungsminister der NATO-Mitglieder haben sich darauf geeinigt, die Irak-Mission auf bis zu 4000 Soldaten auszuweiten. Eine Entscheidung über das mögliche Ende des Einsatzes in Afghanistan wurde hingegen vertagt.

Die NATO weitet ihre Mission im Irak auf rund 4000 Soldaten aus. Das beschlossen die Verteidigungsminister der Allianz, wie NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mitteilte. Damit solle verhindert werden, dass die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" wieder an Stärke gewinne.

Seit 2017 bildet die NATO im Irak Sicherheitskräfte aus. Bisher hat der Ausbildungs- und Beratungseinsatz eine maximale Stärke von 500 Soldaten, von denen nach Bündnisangaben derzeit rund 300 im Land sind. Irakische Soldaten werden dabei insbesondere in der Entschärfung von Sprengsätzen, der Instandhaltung und medizinischen Versorgung geschult. Hinzu kommt die Beratung des irakischen Verteidigungsministeriums und anderer Sicherheitsbehörden. 

Entscheidung über Afghanistan-Abzug vertagt

Eine Entscheidung über ein mögliches Ende des Einsatzes in Afghanistan wurde hingegen vertagt. Man habe keinen endgültigen Beschluss über die zukünftige Präsenz in dem Krisenland gefasst, erklärte Stoltenberg.

Die rund 10.000 Soldaten aus NATO-Ländern und Partnernationen werden damit vorerst in Afghanistan bleiben, um die demokratisch gewählte Regierung durch die Ausbildung und Beratung von Sicherheitskräften zu unterstützen. Unter ihnen sind auch rund 1100 Soldaten aus Deutschland. Die Bundeswehr ist bereits seit rund 19 Jahren in Afghanistan.

Anschläge der Taliban wieder wahrscheinlicher

Die USA hatten den Taliban einen Abzug aller ausländischer Soldaten bis Ende April in Aussicht gestellt, um sie zu Friedensgesprächen und einer Reduzierung der Gewalt in dem Land zu bewegen. Mit der Entscheidung, jetzt noch keinen Rückzug anzuordnen, gilt es allerdings als so gut wie sicher, dass die NATO-Truppen länger in Afghanistan sein werden.

Das wiederum erhöht nach Ansicht vieler Experten die Wahrscheinlichkeit auf Angriffe und Anschläge der Taliban auf die internationalen Truppen. Auch die Bundeswehr bereite sich auf eine größere Bedrohung der im Land stationierten Soldaten vor, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Angst vor Machtübernahme der Taliban

Die Taliban hatten zuletzt mitgeteilt, jeder, der eine "Verlängerung der Kriege und der Besatzung" anstrebe, werde dafür haftbar gemacht werden. Als noch größeres Risiko wird von den Alliierten aber gesehen, dass die Taliban kurz nach einem vollständigen Truppenabzug mit Waffengewalt die Macht in Afghanistan übernehmen. Für die junge Demokratie in Afghanistan und die Fortschritte bei Frauenrechten oder Medienfreiheit wäre eine solche Entwicklung vermutlich der Todesstoß.

Zudem könnte Afghanistan nach westlicher Lesart wieder ein Rückzugsort für internationale Terroristen werden, die Angriffe auf NATO-Länder planen. Für die NATO wäre das ein Desaster: Ein fast zwei Jahrzehnte langer Einsatz mit Tausenden Todesopfern wäre dann quasi umsonst gewesen.

Nach Angaben aus Bündniskreisen soll noch versucht werden, die Taliban dazu zu bewegen, eine Verschiebung der Frist für den Truppenabzug zu akzeptieren - offiziell prüft die neue US-Regierung zudem noch immer einen möglichen Abzug bis Ende April.

Biden will "endlose Kriege" der US-Amerikaner beenden

Ob diese Strategie funktioniert, ist aber völlig offen. Nach Einschätzung von Experten könnten die Taliban versucht sein, die Friedensverhandlungen zu beenden und auf eine militärische Lösung des Konflikts zu setzen. Sie könnten darauf spekulieren, dass die NATO-Staaten ihren Einsatz am Hindukusch nicht noch einmal umfassend ausweiten wollen.

Wie sein Vorgänger Donald Trump hat auch der neue US-Präsident Joe Biden seinen Anhängern in Aussicht gestellt, die "endlosen Kriege" der Amerikaner zu beenden. Der Krieg in Afghanistan ist mittlerweile der längste in der Geschichte des Landes. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 waren von den Amerikanern angeführte Truppen dort einmarschiert. Wenige Monate später folgte auch die Bundeswehr als Teil einer Stabilisierungstruppe.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Februar 2021 um 09:47 Uhr.