Moldaus Präsidentin Sandu nach der Stimmabgabe | dpa

Parlamentswahl in Moldau Pro-westliche Partei klar vorn

Stand: 12.07.2021 09:00 Uhr

Bei der Parlamentswahl in der Moldau zeichnet sich nach Auszählung fast aller Stimmen ein deutlicher Sieg der pro-europäischen Partei PAS von Präsidentin Sandu ab. Ihr Gegenspieler Dodon hatte zuvor monatelang eine Regierungsbildung verhindert.

Die Bürgerinnen und Bürger der Ex-Sowjetrepublik Moldau (Moldawien) haben bei einer richtungsweisenden Abstimmung ein neues Parlament gewählt - und der amtierenden Präsidentin Maia Sandu ihr Vertrauen geschenkt. Nach Auszählung fast aller Stimmen wurde die Partei Aktion und Solidarität (PAS) von Sandu mit knapp 53 Prozent klar stärkste Kraft. Das geht aus Zahlen hervor, die die zentrale Wahlkommission in der Nacht veröffentlichte.

Die prorussischen Kommunisten und Sozialisten um den früheren Präsidenten Igor Dodon kamen laut Wahlkommission auf rund 27 Prozent der Stimmen, die Partei Schor auf knapp sechs Prozent. Damit haben nur drei der mehr als 20 zugelassenen Parteien den Einzug ins Parlament mit seinen 101 Sitzen geschafft. Stimmberechtigt waren 3,3 Millionen Moldauer, die Wahlbeteiligung lag aber bei nur rund 48 Prozent.

Bei der Verteilung der 101 Sitze geht es maßgeblich darum, ob Moldau den Kurs Richtung EU einschlagen kann, den Sandu anstrebt. Das krisengeschüttelte Land, das an den EU-Staat Rumänien grenzt, ist seit seiner Unabhängigkeitserklärung vor 30 Jahren zwischen Russland und Europa hin und her gerissen.

Igor Dodon bei einer Wahlkundgebung | EPA

Maia Sandus Amtsvorgänger Igor Dodon warnt davor, das Land von Russland abzuwenden. Er kommt vor allem bei der Landbevölkerung gut an. Bild: EPA

Russland hat weiter großen Einfluss

Sandu hatte die vorgezogene Abstimmung angesetzt, nachdem die pro-russischen Kräfte um Dodon monatelang die Bildung einer neuen Regierung verhindert hatten. Bisher haben Dodons Unterstützer eine Mehrheit im Parlament in Chisinau.

Russische Wahlbeobachter beurteilten die Wahl als weitgehend fair. Es seien nur einzelne Verstöße festgestellt worden, die das Ergebnis aber nicht infrage stellten.

Russland hat in dem kleinen Land, das auch an die Ukraine grenzt, weiter einen großen Einfluss - besonders in dem von Moldau abtrünnigen Gebiet Transnistrien, wo seit Anfang der 1990er-Jahre russisches Militär stationiert ist. Auch knapp 260.000 Menschen aus dem Separatistengebiet waren bei der Wahl am Sonntag stimmberechtigt. Zuletzt beklagte Moskau eine "beispiellose Einmischung" der USA und EU in die inneren Angelegenheiten Moldaus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juli 2021 um 22:00 Uhr in den Nachrichten.