Ein junges Mädchen wird ans Ufer getragen, während eine Gruppe von Menschen, bei denen es sich vermutlich um Migranten handelt, nach Dungeness gebracht wird. | dpa

Schlauchboot verlor Luft 38 Menschen aus dem Ärmelkanal gerettet

Stand: 16.09.2022 16:08 Uhr

Immer wieder versuchen Migranten, mit kleinen Booten über den Ärmelkanal zu kommen. 38 gerieten nun in akute Lebensgefahr, weil ihr Schlauchboot Luft verlor. Alle konnten gerettet werden - nach teils einer Stunde im Wasser.

Britische Einsatzkräfte haben nach eigenen Angaben 38 Menschen aus dem Ärmelkanal gerettet - mutmaßlich handelt es sich um Migranten. Das Schlauchboot, mit dem sie unterwegs waren, habe am frühen Donnerstagmorgen plötzlich rasant Luft verloren, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Einige Menschen hätten fast eine Stunde im Wasser verbracht. Sie seien in die Hafenstadt Dover gebracht worden. Ihr Zustand sei stabil, es gebe keine Toten. Insgesamt hätten mehr als 600 Migrantinnen und Migranten in 14 Booten am Donnerstag das Land erreicht.

Mehr Migranten überqueren Ärmelkanal

In diesem Jahr wagten nach Schätzungen bisher rund 29.700 Menschen die gefährliche Überfahrt über den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien. Das ist schon jetzt deutlich mehr als im Vorjahr, wo die Regierung rund 28.500 Migranten insgesamt zählte.

Laut offiziellen Angaben ist auch die Zahl der Menschen auf den einzelnen Booten in diesem Jahr deutlich gestiegen: Von durchschnittlich 28 im Jahr 2021 auf 44 im bisherigen Jahr 2022.

Die meisten Ärmelkanal-Überquerungen wurden in diesem Jahr am 22. August registriert: Fast 1300 Menschen in 27 Schiffen. Es wird angenommen, dass die Zunahme der Zahl der Überquerungen mit verbesserten Wetterbedingungen im Sommer zusammenhängt.

Zuletzt hatte es aus der Regierung geheißen, es sei erstaunlich, dass es in diesem Jahr bisher nicht zu schweren Zwischenfällen gekommen sei. Im November 2021 starben 27 Menschen im Ärmelkanal, nachdem ihr Schlauchboot kenterte.

Rigide Maßnahmen zur Abschreckung

Der konservativen britischen Regierung versucht, gegen die illegalen Überfahrten vorzugehen. Zur Abschreckung sollen Migranten nach Ruanda ausgeflogen werden und in dem ostafrikanischen Land statt in Großbritannien einen Asylantrag stellen.

Wird dem Antrag stattgegeben, sollen sie dort bleiben. Andernfalls droht ihnen die Abschiebung in ihre Herkunftsländer. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sieht in dem Plan einen Bruch internationalen Rechts.