Wolodymyr Selenskyj und Angela Merkel | AFP

Trotz Nord Stream 2 Merkel sichert Ukraine Gastransite zu

Stand: 12.07.2021 20:55 Uhr

Die Ukraine sieht durch den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 ihre Sicherheit bedroht. Bei einem Treffen mit Präsident Selenskyj sagte Kanzlerin Merkel deshalb Deutschlands Unterstützung zu - und äußerte sich zum Streit mit den USA.

Im Dauerstreit über die Gaspipeline Nord Stream 2 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel der Ukraine Unterstützung zugesagt. "Deutschland und Frankreich haben die gleiche Position, dass die Ukraine Energie-Transitland bleiben muss", sagte sie bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin. Es gebe große Sorgen auf der ukrainischen Seite. "Die nehmen wir ernst."

Zugleich zeigte sich Merkel skeptisch, ob es während ihres Besuchs bei US-Präsident Joe Biden zu einer abschließenden Lösung des Streits über Nord Stream 2 kommen könne. Sie werde das Thema mit Biden an diesem Donnerstag erörtern. Dass "die Papiere dann schon vollkommen fertig gestellt sind, das weiß ich nicht. Ich glaube es eher nicht", ergänzte Merkel. "Aber es werden wichtige Diskussionen zur Erarbeitung einer solchen gemeinsamen Position sein."

Ukraine sieht ihre Sicherheit bedroht

Selenskyj sprach sich dafür aus, eine Lösung des Streits über die von den USA und vielen EU-Ländern abgelehnte Gasleitung durch die Ostsee im sogenannten Normandie-Format gemeinsam mit Russland, Frankreich und Deutschland zu finden. Sein Land sehe seine Sicherheit durch das deutsch-russische Projekt bedroht, sagte Selenskyj, der erneut Garantien für die künftige Energieversorgung seines Landes forderte.

Außerdem sprach er sich bei dem Energiethema für die Einbeziehung der USA in das 2014 gestartete Normandie-Format aus. Die USA könnten aber auch in einem anderen Format in die Suche nach einer Lösung einbezogen werden, so Selenskyj auf Nachfrage.

Merkel sagte, wenn man sich wieder im Normandie-Format treffen würde, wäre "natürlich das Thema Energie auch für uns ein Thema, was wichtig ist". Den Rahmen des Minsker Abkommens zur Befriedung des Konflikts in der Region würde eine formelle Einbeziehung der Energiethemen allerdings sprengen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Juli 2021 um 20:40 Uhr.