Alexander Lukaschenko | dpa

Lukaschenko zum Ukraine-Krieg "Operation hat sich in die Länge gezogen"

Stand: 05.05.2022 21:43 Uhr

Seit mehr als zwei Monaten führt Russland gegen die Ukraine Krieg. Mit dem belarusischen Machthaber Lukaschenko hat nun einer der engsten Verbündeten von Präsident Putin eingeräumt, mit einem anderen Kriegsverlauf gerechnet zu haben.

Der belarusische Präsident Alexander Lukaschenko hat eingeräumt, mit einem schnellen Sieg Russlands gegen die Ukraine gerechnet zu haben. "Ich bin nicht genug mit diesem Problem vertraut, um sagen zu können, ob es nach Plan läuft, wie die Russen sagen", erklärte der Machthaber in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Aber: "Ich habe das Gefühl, dass sich diese Operation in die Länge gezogen hat."

Russland hatte seinen Einmarsch in die Ukraine vor zehn Wochen auch von belarusischem Territorium aus begonnen. Zuvor waren die Soldaten unter dem Vorwand eines Militärmanövers nach Belarus geschickt worden. Anfang März sagte Lukaschenko bei einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin, die Ukraine habe Belarus angreifen wollen. Der russische Angriff habe dies vereitelt. Beweise dafür legte Lukaschenko nicht vor.

"Dank mir haben Verhandlungen begonnen"

Jetzt warf Lukaschenko der Ukraine vor, Russland provoziert zu haben, und betonte, Russland könne den Krieg nicht verlieren. Belarus unternehme seinerseits alles, um den Krieg zu beenden: "Wir akzeptieren kategorisch keinen Krieg. Wir haben alles getan und tun alles, damit es keinen Krieg gibt", sagte Lukaschenko und behauptete, der Initiator für Verhandlungen gewesen zu sein. "Dank meiner Wenigkeit, also mir, haben Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland begonnen."

Lukaschenko kritisierte die Regierung in Kiew: "Weshalb ist die Ukraine, auf deren Territorium der Krieg tatsächlich stattfindet - Militäraktionen, Menschen sterben - warum ist die Ukraine nicht an diesen Verhandlungen interessiert?", fragte er.

"USA wollen Russland ertränken"

Einen Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine lehnte Lukaschenko ab. Die Ukraine sei schließlich ein Nachbarland. "Wir leben nicht hinter dem Ozean wie die Vereinigten Staaten", sagte er. Die Frage, ob Russland zu einem solchen Einsatz fähig sei, könne nur die Regierung in Moskau beantworten.

Er glaube nicht, dass Putin einen Konflikt mit der NATO wolle, sagte Lukaschenko. Der Westen müsse sicherstellen, dass es auch nicht dazu komme. Dieser heize den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine an - insbesondere die USA. "Die Vereinigten Staaten wollen die Gunst der Stunde nutzen, ihre Verbündeten an sich binden und Russland im Krieg mit der Ukraine ertränken. Das ist ihr Ziel - Russland auszusortieren, und dann China", sagte er. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj handle auf Anordnung der USA, so Lukaschenko.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Mai 2022 um 12:35 Uhr.