Eine Frau mit Mundschutz steht neben einer Straßenbahn in Lissabon. | MARIO CRUZ/EPA-EFE/Shutterstock

Steigende Corona-Zahlen Lissabon wird abgeriegelt

Stand: 18.06.2021 03:13 Uhr

Portugal hat wegen stark steigender Ansteckungen mit der Delta-Variante neue Einschränkungen für die Hauptstadt erlassen. Nicht unbedingt notwendige Reisen in und aus Lissabon werden von Freitag bis Montag verboten.

Lissabon wird wegen einer besorgniserregenden Zunahme der Corona-Infektionsfälle für zweieinhalb Tage abgeriegelt. Von Freitagnachmittag bis Montagmorgen dürfen die 2,8 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner der portugiesischen Hauptstadt den Großraum Lissabon nur aus triftigem Grund verlassen, wie die Regierung mitteilte. Auswärtige werden nur in Ausnahmefällen einreisen dürfen.

Mit 928 neuen Infektionen binnen 24 Stunden verzeichnete Lissabon zuletzt den höchsten Wert seit dem 19. Februar. Die Zahl der Infektionsfälle entsprach etwa 75 Prozent aller in Portugal registrierten Neuansteckungen (1233). In der "Area Metropolitana" Lissabons wohnen jedoch lediglich rund 27 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger Portugals.

Lockdown nicht ausgeschlossen

In Lissabon breite sich derzeit die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante des Coronavirus relativ stark aus, sagte Regierungssprecherin Mariana Vieira da Silva. "Es ist nicht leicht, solche Maßnahmen zu ergreifen, aber uns erschienen sie unerlässlich, damit die Lage, die in Lissabon derzeit herrscht, nicht auf das ganze Land übergreift", sagte sie.

Der einstige Corona-Hotspot Portugal hatte im Winter erfolgreich gegen das Virus gekämpft und im Frühjahr zeitweilig mit die niedrigsten Werte Europas aufgewiesen. Der Ausnahmezustand zur Eindämmung der Pandemie war deshalb am 1. Mai nach fünfeinhalb Monaten zu Ende gegangen. Die landesweite 14-Tage-Inzidenz stieg jedoch nach Angaben der EU-Behörde ECDC innerhalb weniger Wochen von 55 auf 87.

Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa hatte zuvor einen möglichen weiteren Lockdown dennoch vehement abgelehnt. Die Ansteckungsrate allein rechtfertige keine drastischen Einschränkungen, solange die Zahl der Krankenhauseinweisungen weit unter dem Höchststand vom Winter liege, sagte er. Regierungschef António Costa äußerte sich vorsichtiger: "Niemand kann garantieren, dass wir nicht zum Lockdown zurück müssen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juni 2021 um 09:00 Uhr.