Männer liegen auf Schaumstoffmatratzen im Migranten-Camp von Lampedusa- | AFP

Empörung über Zustände Migranten-Camp auf Lampedusa wird geräumt

Stand: 10.07.2022 16:36 Uhr

Das überfüllte und vermüllte Migranten-Camp auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa wird geräumt und soll gereinigt werden. Die Zustände in dem Erstaufnahmelager sorgen für heftige Kritik - auch von den UN.

Die italienischen Behörden haben damit begonnen, das Flüchtlingscamp von Lampedusa zu räumen. Am Morgen brachte ein Marineschiff 600 Migranten von der kleinen Mittelmeerinsel zwischen Tunesien und Süditalien nach Porto Empedocle auf Sizilien. Danach kehrte das Schiff um, um weitere 600 Menschen aufzunehmen und wegzubringen.

Das Innenministerium von Rom hatte mit einer entsprechenden Anweisung auf die jüngsten Berichte und Entwicklungen auf Lampedusa reagiert. Auch ein Schiff der Finanzpolizei wurde für die Transporte angefordert.

Maßlos überfüllt

In dem Flüchtlings-Hotspot waren Ende der vergangenen Woche gut 1800 Menschen gezählt worden - dabei ist in dem Camp eigentlich nur für rund 350 Leute Platz. Weil auf Lampedusa in der neuen Woche wieder viele neue Flüchtende aus Nordafrika erwartet werden, soll das Lager schnellstmöglich geleert und gereinigt werden.

Spätestens am Dienstag sollen alle Menschen auf andere Camps in Italien verteilt sein, kündigte die Präfektin von Agrigent auf Sizilien, zu deren Provinz die Insel Lampedusa gehört, laut der Nachrichtenagentur Ansa an.

Menschen stehen Schlange vor einer Verwaltungseinrichtung im völlig überfüllten Flüchtlingscamp auf Lampedusa. | AFP

Platz wäre für rund 350 - vergangene Woche wurden gut 1800 Menschen im Camp gezählt. Bild: AFP

"Schande von Lampedusa"

Berichte über die Zustände in dem Erstaufnahmelager hatten für Empörung gesorgt. Lampedusas Ex-Bürgermeisterin Giusi Nicolini zeigte bei Facebook Bilder und ein Video von dem Camp. Darauf sind Menschen zu sehen, die auf alten Schaumstoffmatratzen zum Teil im Freien liegen, überfüllte Mülleimer und bergeweise Abfall in den Gängen. Unter den Leuten seien Schwangere und Kinder. "Die Bilder könnten aus Libyen sein. Aber nein, das ist Italien", schrieb Nicolini.

Flavio Di Giacomo vom Mittelmeer-Büro der UN-Organisation für Migration (IOM) twitterte von einer "Schande auf Lampedusa". Am Sonntag ergänzte er, dass nicht die Zahl der ankommenden Menschen das Problem sei, sondern ein schlechtes System für die Verteilung. Das Innenministerium in Rom registrierte bis zum Wochenende mehr als 30.000 Menschen, die in diesem Jahr mit Booten an italienischen Küsten - darunter auch Lampedusa - angekommen sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juli 2022 um 17:00 Uhr.