Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, geht, nachdem er zur Regierungskrise im Bundeskanzleramt ein Statement abgegeben hat.  | dpa

Einschätzung zu Österreich "Er wird als Kanzler zurückkommen wollen"

Stand: 10.10.2021 12:12 Uhr

Auch nach seinem Rücktritt bleibe der Einfluss von Kurz groß, so die Einschätzung von ARD-Korrespondent Neumaier. Mit einem Abschied aus der Politik sei nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Kurz plane bereits sein Comeback.

Der zurückgetretene österreichische Kanzler Sebastian Kurz wird nach Einschätzung des ARD-Korrespondenten Nikolaus Neumaier weiterhin großen politischen Einfluss haben. Kurz will laut eigener Aussage ÖVP-Chef bleiben und zudem Fraktionschef im Parlament werden. Er werde mit dabei sein, wenn die Minister zusammenkommen, so Neumaier. "Sein Wort wird weiter Gewicht haben."

Ermittlungen abwarten

Was die Zukunft von Kurz betrifft, so sieht Neumaier ihn weiterhin in der Politik, nicht etwa in der Wirtschaft. "Er wird abwarten, wie die Ermittlungen gegen ihn laufen. Das kann bis ins nächste Jahr dauern, bis klar ist, ob Anklage erhoben wird." Werde keine Anklage erhoben, sei Kurz ohnehin reingewaschen, so Neumaier. "Mein Vermutung ist, dass er auf jeden Fall als Kanzler zurückkehren möchte, als Triumphator".

Die Frage nach seinem Abschied aus der Politik solle man vielleicht erst stellen, "wenn er zehn Jahre älter ist". Im Moment sehe es so aus, dass er ein Comeback plane, Kurz habe sich "alle Türen offengelassen". Die Frage sei, wann dieses stattfinden könne, so Neumaier.

Nachfolger von Kurz wird Außenminister Alexander Schallenberg. Der 52-Jährige ist seit Jahren in Spitzenfunktionen für die Außenpolitik Österreichs mitverantwortlich.

Unterschiedliche Stile im Umgang

Laut Neumaier unterscheiden sich Kurz und Schallenberg inhaltlich nicht sehr. "In Fragen der Migration und des Beitritts der Westbalkanländer liegt Schallenberg auf Linie von Kurz", so Neumaier. Die größten Unterschiede lägen im Stil des Umgangs miteinander. "Kurz und seine Unterstützer haben sehr wohl einen sehr aggressiven Stil gepflegt, das wurde auch in den Chats deutlich."

Schallenberg hingegen sei gelernter Diplomat, so Neumaier. "Von dem kann man sich so etwas sicher nicht vorstellen, das wird er nicht praktizieren."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Oktober 2021 um 11:00 Uhr.