Eine Luftaufnahme des Schastlivenskoje-Stausees im Bezirk Bachtschissaraj. (Archivbild: Januar 2021) | imago images/ITAR-TASS

Wasser aus der Ukraine fehlt Halbinsel Krim trocknet aus

Stand: 18.03.2021 13:30 Uhr

Die Stauseen auf der Krim sind leer, in vielen Orten gibt es nur noch stundenweise Trinkwasser. Helfen könnte die Ukraine, doch die kappte nach der Annexion der Halbinsel durch Russland die Wasserzufuhr.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau, zurzeit Köln

Randvolle Talsperren im Winter? Das war einmal. In vielen Stauseen auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim ist nur noch ein kümmerlicher Rest Wasser geblieben. Felder vertrocknen - in vielen Orten gibt es nur noch stundenweise Trinkwasser.

Stephan Laack

Wasser muss rationiert werden

Krim-Chef Aksjonow stimmte kürzlich die Bewohner dort auf weitere Rationierungen ein. Aus Rücksicht auf die russischen Sommer-Urlauber, von denen viele leben würden: "Vielleicht wird es unangenehm werden, sagen wir es offen. Zumindest auf Dauer, aber das sollte es uns ermöglichen, die Ferienzeit zu überstehen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, Geld zu verdienen. Also, wir bereiten uns auf das Schlimmste vor."

Ein Blick auf den Stausee von Simferopol, der aufgrund einer Dürre ausgetrocknet ist. (Archivbild: September 2020) | imago images/ITAR-TASS

Der Stausee von Simferopol ist ausgetrocknet. Bild: imago images/ITAR-TASS

Stauseen trocknen aus

Abdureschit Dschepaarow lebt in Belogorsk im Südwesten der Halbinsel. Der Menschenrechtler beobachtet und dokumentiert den Rückgang der Wasserressourcen schon seit längerem - zum Beispiel beim Bugasstausee, der für die Trinkwasserversorgung von Bedeutung ist: "Da gibt es sehr wenig Wasser, ich habe Fotos gemacht. Hier, wo ich jetzt stehe, war früher Wasser, aber jetzt nicht mehr. Und wenn es so weiter geht, trocknet der See bald völlig aus."

Hoher Wasserverbrauch durch Touristen

Dabei sei der zurückliegende Winter gar nicht so arm an Niederschlägen gewesen. Doch davor gab es drei lange Jahre Dürre. Und auch der hohe Wasserverbrauch durch die Touristen hätte die Vorräte stark dezimiert: "Vergangenes Jahr hatten wir auf der Krim sechs Millionen Besucher. Wir stellen Wasserknappheit fest und laden dabei Millionen Menschen hierhin ein. Das klingt nach einem riskanten Manöver der Regierung, das weitere Wasserknappheit auf der Krim hervorruft."

Nach der Annexion stoppte die Ukraine die Wasserzufuhr

Ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass die Krim austrocknet, liegt auch darin, dass die ukrainische Regierung die Wasserzufuhr über den Nord-Krim-Kanal nach der Annexion durch Russland gekappt hat. Früher wurden bis zu 85 Prozent des Wasserbedarfs der mehr als zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner darüber gedeckt. 

Karte mit der Brücke, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet. |

2014 hatte Russland die Krim annektiert. Die Ukraine betrachtet die Halbinsel weiterhin als eigenes Staatsgebiet. Die einzige Landverbindung der Krim ist zur Ukraine.

Jetzt kommt kein Tropfen mehr - und dies solle auch so bleiben, solange die Krim von Russland besetzt sei, betont die stellvertretende ukrainische Außenministerin Dschaparowa: "Die Russische Föderation hat die Krim erobert und trägt die Verantwortung dafür. Für die Ukraine ist die Wasserlieferung eine Frage der nationalen Sicherheit. Die Ukraine kann nicht Wasser liefern, damit Russland militärisch-industrielle Einrichtungen errichtet. Hier geht es um's Prinzip."

Entsalzungsanlagen sind keine Alternative

Selbst wenn Russland teure und aufwändige Entsalzungsanlagen errichten und noch mehr Trinkwasserreservoirs in großer Tiefe anzapfen würde, dürfte dies kaum ausreichen, die Krim langfristig vor dem Austrocknen zu bewahren. Serhij Hapon, Experte für Geologie, warnte daher in einer Reportage im ukrainischen Fernsehen: "Das ist ja ein Weg ins Blaue. Bohrlöcher können das Problem nur kurzfristig lösen. Vielleicht ein paar Monate - in einzelnen Fällen ein paar Jahre. Die unterirdischen Wasserreservoirs werden ausgeschöpft und kleiner werden. Neue Bohrlöcher werden dieses Problem auch nicht lösen können."

Ökologische und ökonomische Katastrophe

Und so steuert die Krim nicht nur auf eine ökologische Katastrophe zu. Auch die wichtigen Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft und Tourismus sind ohne Wasser nicht aufrechtzuerhalten. Abgeschnitten von der Ukraine scheint die Krim kaum überlebensfähig zu sein.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juli 2020 um 18:40 Uhr.