Eine Krankenschwester betreut einen Patienten mit COVID-19 auf der Intensivstation in Pristina (Kosovo).  | picture alliance / ASSOCIATED PR

Coronavirus Kosovos Kliniken droht der Kollaps

Stand: 27.08.2021 11:43 Uhr

Rund 1100 Covid-19-Patienten liegen in Kosovos Krankenhäusern. Das bringt die Kliniken an die Belastungsgrenze - die Betten werden knapp. Und die Impfquote im Land ist extrem niedrig.

Von Theresa Krinninger, ARD-Studio Wien

Der Leiter des Krankenhausdienstes des Kosovo ist momentan schwer zu erreichen, er hält eine Krisensitzung nach der anderen ab. In den Krankenhäusern müssten jetzt alle Kapazitäten für Covid-Patienten ausgeschöpft werden, sagt Valbon Krasniqi:

Derzeit haben wir in sieben Krankenhäusern des Landes 1160 Patienten, davon 950 mit Sauerstofftherapie, das sind 90 Prozent der Patienten mit Sauerstofftherapie. 45 Patienten sind in einem kritischen Zustand. Es sind kaum mehr Betten frei. In einigen Krankenhäusern haben wir sogar die Zimmer des Gesundheitspersonals in Räume für Covid-Patienten umgewandelt.

Von den schwerkranken Corona-Patienten seien 90 Prozent ungeimpft, sagt Krasniqi.

"Wir haben auf Gerüchte gehört"

Auch Behrije Ismajlis Ehemann ist nicht geimpft. Er liegt seit einer Woche im Krankenhaus für Infektionskrankheiten in Pristina. Er habe sich wohl bei einer Hochzeit angesteckt, sagt seine Frau. Gleich danach sei er positiv getestet worden und habe sich sehr schlecht gefühlt. "Wir sind nicht geimpft, wir haben auf Gerüchte gehört und haben es einfach gelassen", fügt sie hinzu.

Für Ärzte und Pflegekräfte gilt eine Urlaubssperre. Jeder einzelne wird in den Krankenhäusern gebraucht. Dort werden nur noch Notfälle behandelt und dringende Operationen durchgeführt.

Auch Kinder und Schwangere in Behandlung

Bald werde es keine Betten mehr für neue Corona-Patienten geben, sagt Gesundheitsmanager Krasniqi. 

Die Lage ist viel schlimmer als alle Infektionswellen zuvor. Noch nie gab es so viele Neuinfektionen.

Momentan gebe es mehr als 20.000 aktive Corona-Fälle und die Zahl werde voraussichtlich noch steigen. "Außerdem liegen in der Kinderklinik 13 Kinder, die an Corona erkrankt sind. Wir haben noch nie so viele Kinder mit Corona behandelt." Darüberhinaus seien 24 schwangere Frauen ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Nur zwölf Prozent geimpft

Der Kosovo zählt auf dem Westbalkan neben Bosnien-Herzegowina zu den Ländern mit der niedrigsten Impfquote. Die John-Hopkins-Universität gibt an, dass nur knapp zwölf Prozent der Kosovaren vollständig geimpft sind.

Am Impfzentrum in Pristina ist vielen in der Warteschlange der Ernst der Lage klargeworden. "Ich habe am Anfang auf die Leute gehört", sagt die 64-jährige Fazile Vitijt. "Sie haben gesagt, der Impfstoff würde die Älteren töten und die Jüngeren würden keine Kinder bekommen. Aber dann habe ich trotzdem beschlossen, mich impfen zu lassen."

Agnesa Ibrahimi, 25 Jahre alt, meint: "Der Anstieg der Corona-Fälle hat mich dazu gebracht, mich impfen zu lassen. Ich wusste, dass wir keine andere Wahl haben. Ich glaube, dass ich so besser geschützt bin."

Er sei zum Impfen gekommen, weil die Corona-Infektionen stiegen und wegen der strengeren Corona-Regeln, sagt der 23-jährige Kron. Denn sonst könne er nicht an bestimmten Aktivitäten teilnehmen.

Strengere Regeln

Die Regierung hat inzwischen strengere Corona-Maßnahmen verhängt. Bis 1. September bleiben Nachtclubs geschlossen, Hochzeits- und andere Familienfeiern sind nicht mehr erlaubt. Restaurants müssen früher schließen und größere  Veranstaltungen können nur noch mit einem negativen Corona-Test besucht werden.

Darauf setzt der Leiter des Krankenhausdienstes, Krasniqi, jetzt seine ganze Hoffnung. "Wir können nicht so viele Betten anbieten, wie nötig sind, wenn es so weitergeht", sagt er. Um die Ausbreitung der Infektionen zu stoppen, "müssen wir auf die Impfungen und die Einhaltung der Maßnahmen setzen".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. August 2021 um 13:48 Uhr.