Eine Gas-Pipeline in Kalifornien (USA) | REUTERS

Methan Das unterschätzte Klimagas

Stand: 09.08.2021 12:56 Uhr

Dass die Landwirtschaft die größte Quelle für die Methankonzentration in der Atmosphäre ist, galt bislang als ausgemacht. Doch Wissenschaftler haben eine andere Ursache entdeckt - und die könnte vergleichsweise einfach behoben werden.

Von Werner Eckert, SWR

Methan könnte der Turbolader für die Klimakrise sein - aber auch für den Kampf dagegen. Das wichtigste Treibhausgas ist zwar Co2 - aus der Brennung von Kohle, Öl und Gas und verantwortlich für zwei Drittel der Erwärmung, Methan ist dagegen für nur 15 bis 20 Prozent verntwortlich.

Methan wirkt unmittelbar und kurzfristig viel stärker - etwa 80-mal so stark wie Co2. Dafür ist es auf der anderen Seite viel schneller wieder weg. Wenn Co2 der Tanker des Klimaschutz ist, dann ist Methan das Schnellboot: klein, aber wendig. 

Die Konzentration beschleunigt sich

Die Methankonzentration in der Atmosphäre ist heute zweieinhalb mal höher als vor der Industrialisierung. In den beiden vergangenen Jahrzehnten hat sich der Anstieg noch mal beschleunigt. Der Grund dafür ist noch nicht völlig klar. Offenbar wurden aber bislang die Verluste von Methan aus der Erdgasindustrie erheblich unterschätzt. Methan ist schlicht Erdgas.

Bislang galt - neben natürlichen Quellen - die Landwirtschaft, vor allem der Reisanbau und die Rinderhaltung, als größte Quelle knapp vor dem, was die Gasindustrie in die Atmosphäre entlässt. Doch Messungen der europäischen Raumfahrtagentur ESA mit dem Sentinel-Satellitensystem haben ergeben, dass an den Gasbohrstellen selbst und entlang der Pipelines enorme Mengen an Erdgas entweichen, vor allem in Russland.

Das Gasfeld Bovanenkowo aus der russischen Jamal-Halbinsel | REUTERS

Das Gasfeld Bovanenkowo aus der russischen Jamal-Halbinsel Bild: REUTERS

Ein einziges Leck in der Jamal-Pipeline, die Gas aus Sibirien unter anderem nach Deutschland bringt, verursacht so viel Klimaschäden wie mehr als eine Million Autofahrer im Jahr. Und es gibt Hunderte dieser Lecks - auch in den USA und bei anderen großen Öl- und Gas-Produzenten. 

Diese Emissionen könnten um 70 Prozent reduziert werden, sagt die Welt-Energieagentur IEA. Das sei technisch möglich und wirtschaftlich sogar ein Gewinn. Eine mächtige Stellschraube also. Unklar ist, ob der durch den Klimawandel auftauende Permafrostboden ebenfalls schon zu steigenden Methanemissionen beiträgt.  

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. August 2021 um 13:05 Uhr.