Boris Johnson im britischen Unterhaus während der Debatte über eine Weihnachtsfeier in seinem Amtssitz | via REUTERS

Weihnachtsfeier bei Johnson "Nur Wein und Käse"

Stand: 08.12.2021 17:07 Uhr

Berichte über eine Weihnachtssause in seinem Amtssitz zu Zeiten des Lockdowns bringen den britischen Premier Johnson gehörig in die Defensive. Während Johnson noch alles abstreitet, gab es einen ersten Rücktritt.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Boris Johnson bleibt dabei: Eine Weihnachtsfeier in Downing Street 10, dem Amtssitz des Premiers, habe es nicht gegeben, verteidigte sich der Politiker in der Fragestunde im Unterhaus. Trotzdem soll es eine interne Untersuchung der Ereignisse geben, kündigte der Premier an.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Seit Tagen berichten britische Medien, dass es am 18. Dezember 2020 eine Party mit 40 bis 50 Personen im Amtssitz des Premiers gegeben haben soll - mit Getränken und Häppchen. Zu der Zeit galten strenge Kontaktbeschränkungen, England war im Lockdown, die Infektionszahlen waren hoch.

Erst feiern, dann amüsieren

Am Dienstag veröffentlichte der Fernsehsender ITV ein brisantes Video, in dem zu sehen ist, wie die ehemalige Sprecherin, Allegra Stratton, mit Mitarbeitern eine Regierungspressekonferenz simuliert. Das Video wurde offenbar kurz nach der Feier aufgezeichnet. "Ob es eine Party gegeben habe", fragt eine Person aus dem Off. "Was soll ich antworten", fragt die Sprecherin? "Es war nur Käse und Wein", witzelt ein anderer.

"Ist 'Wein und Käse' okay", fragt die Sprecherin und lacht, um zu ergänzen, "war nur ein geschäftliches Treffen". Allgemeine Heiterkeit.

Opposition fühlt sich für dumm verkauft

Am Nachmittag reichte Stratton nach Medienberichten ihren Rücktritt ein. Ob Johnson dieser Rücktritt nutzt oder ihn noch mehr in die Bedrouille bringt, ist nun eine von vielen offenen Fragen. Der Oppositionsführer von der Labour-Partei, Keir Starmer, hatte - vor der Nachricht vom Rücktritt - im Parlament gesagt, Johnson halte die Menschen für Idioten und auf das Video verwiesen:

Sie wussten, dass es eine Party gab. Sie wussten, dass gegen Regeln verstoßen worden war. Sie wussten, dass sie es nicht zugeben konnten und sie dachten, es sei witzig. Es sei offensichtlich, was passiert ist.

Starmer erinnerte an Menschen, die ihre Angehörigen damals im Krankenhaus nicht besuchen konnten und sich von Sterbenden nicht verabschieden durften.

Ein Appell an die Tories

Der Fraktionsvorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP), Ian Blackford, forderte den Rücktritt des Premierministers. Und in die Bänke der Konservativen hinein rief er, wenn Johnson nicht zurücktrete, sei es an der Zeit, zu handeln. Dann müsse er eben abgesetzt werden.

Innerhalb der Konservativen Partei gibt es zunehmende Unzufriedenheit über Johnson. Ein führender Tory sagte der BBC, der Premier denke offenbar, Regeln würden nicht für seine Kumpel gelten. "Menschen, die von der Regierung davon abgehalten wurden, ihre sterbenden Verwandten und Freunde noch einmal zu sehen, werden sich veräppelt fühlen", wurde der Politiker zitiert.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Dezember 2021 um 17:48 Uhr.