Boris Johnson | AFP

Lockerungen in England Keine Reisen, aber ein Bier vorm Pub

Stand: 05.04.2021 20:55 Uhr

Die Inzidenz liegt unter 40, die Impfquote über 60. Angesichts solcher Zahlen kann Premier Johnson weitreichende Lockerungen ankündigen. Auf Reisen werden die Briten aber noch länger verzichten müssen.

Von Sabina Matthay, ARD-Studio London

Die Infektionslage hat sich deutlich entspannt, in England können die Menschen sich deshalb auf weitere Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen freuen. Auch Premierminister Boris Johnson ist in Feierlaune: "Am Montag, dem 12. April, werde ich in den Pub gehen und vorsichtig, aber unwiderruflich ein Pint Bier an meine Lippen führen", sagte Johnson am Abend.

Sabina Matthay

Lob - aber auch Warnung vor Übermut

Neben der Außengastronomie dürfen dann wieder Fitnesszentren, Campingplätze und Geschäfte für anderes als den täglichen Bedarf öffnen. Und auch der Friseurbesuch, den der britische Premier sichtlich nötig hat, ist dann wieder möglich.

Johnson lobte seine Landsleute für ihre Disziplin, aber der Regierungchef warnte auch vor Übermut: Selbstgefälligkeit sei jetzt nicht angebracht, so Johnson, sondern Impfen und Testen. Alle Einwohner sollen sich jetzt zweimal pro Woche kostenlos auf das Coronavirus testen, um Infektionsketten zu unterbrechen und das Virus zu stoppen.

"Solche Tests hätte es von Anfang an geben sollen"

Karan Bilimoria, Präsident des britischen Industrieverbands CBI, begrüßt Massentests als effektivste Maßnahme zur Ankurbelung der Wirtschaft. "Solche Tests hätte es von Anfang an für das ganze Land geben sollen, damit die Leute mehr Vertrauen haben", sagt sie. Kombiniert mit der Impfkampagne könnten Massentests angewandt werden, bis die Inzidenz bei Null liege.

So weit ist es aber noch nicht. Die britische Regierung rät deshalb erstmal von der Buchung von Sommerurlaub im Ausland ab. Die Pläne für ein Ampelsystem mit Regeln für Auslandsreisen, über die zuletzt spekuliert worden war, erwähnte der Premier jetzt nicht.

Allerdings bestätigte Johnson, dass in den nächsten Wochen ein Covid-Status-Zertifikat in Pilotprojekten erprobt werden soll. Wer per App oder Papierdokument Impfung, Negativ-Test oder Immunität wegen einer überstandenen Covid-19-Erkrankung gegen das Virus nachweist, könnte beispielsweise zum Endspiel um den englischen FA Cup fahren.

"Nicht zur Impfung zwingen, sondern ermutigen"

Der Nachweis gefällt nicht allen. In Johnsons konservativer Partei wittern manche den Überwachungsstaat. Andere sprechen von Diskriminierung der Nicht-Geimpften.

Keir Starmer, Chef der oppositionellen Labour-Partei, bezeichnete das Zertifikat als "unbritisch". John Ashworth, Sprecher für Gesundheitsfragen der Labourfraktion, will keine verkappte Impfpflicht: "Wenn man die Impfquote erfolgreich vorantreiben will, sollte man niemanden zur Impfung zwingen, sondern dazu ermutigen."

Das scheint zu gelingen: Bis Ostermontag hatten rund 60 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich die erste Corona-Impfung erhalten, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt jetzt unter 40 und die Corona-Intensivstationen sind nicht mehr überbelegt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. April 2021 um 20:42 Uhr.