Junge Italiener vor einem Impfzentrum in Rom | dpa

Italien Einfacher impfen, weniger Ausreden

Stand: 09.07.2021 03:28 Uhr

Italien versucht, die Zweitimpfung so einfach wie möglich zu machen - auch im Urlaub. Touristen können sich deshalb auch außerhalb ihres Wohnortes impfen lassen. An manchen Orten steht das Angebot auch Gästen aus dem Ausland offen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die Corona-Schutzimpfung im Urlaub bekommen? Pietro Di Matteo gehört zu denen, die von dieser neuen Möglichkeit in Italien profitieren. Seine erste Impfung, erzählt er, habe er Anfang Juni in Rom bekommen. Nun aber könne man die Zweitimpfung auch in anderen Regionen vornehmen lassen - und genau das wolle er machen.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Di Matteo nutzt eine seit kurzem gültige Regel, auf die Italiens Sonderkommissar für die Covid-Pandemie, Francesco Figliuolo, gedrungen hat. Alle Regionen Italiens - vergleichbar mit den deutschen Bundesländern - sind aufgefordert, auch Menschen zu impfen, die woanders ihren Wohnsitz haben.

Vor einem Krankenhaus in Rom stehen abends Menschen an, um sich impfen zu lassen | EPA

Gute Ideen gefragt: In Rom bieten Krankenhäuser auch nächtliche Impfungen gegen das Coronavirus an - mit gutem Zulauf. Bild: EPA

Die Urlaubsregionen im Blick

Diese Anweisung der Zentralregierung zielt vor allem auf die Urlaubsregionen in Italien. Sie sollen ihre Impfstationen öffnen, damit die Menschen sorglos in die Ferien fahren können, ohne sich zwischen Urlaub und Corona-Impfung entscheiden zu müssen. Wie Di Matteo aus Rom, der sich nun während seines Sommerurlaubs in Sizilien impfen lässt. Das sei eben "sehr bequem". Er habe ohnehin geplant gehabt, "aus Verantwortung"die Zweitimpfung wahrzunehmen, und da helfe die neue Regelung: "Wenn man das auch im Urlaub machen kann, hat man weniger Ausreden."

Mit dem neuen Sonderkommissar Figliuolo, eingesetzt von der Regierung Draghi, hat Italien in den vergangenen Monaten in der Impfquote aufgeholt, liegt bei den Erstimpfungen fast gleichauf mit Deutschland. Dieses Tempo will Italien auch über die Urlaubszeit beibehalten und Impfungen so leicht wie möglich machen.

Sizilien beispielsweise hat auf den Liparischen Inseln die Impfstationen für Touristen geöffnet, ohne Anmeldung konntenn sich dort in den vergangenen Tagen alle impfen lassen. Die Hauptstadtregion Latium will Impfbusse einsetzen und zu den wichtigsten Stränden in der Nähe Roms fahren. Das Ziel sei, sagt der zuständige regionale Gesundheitsassessor Alessio D'Amato, "die Mobilität der Menschen zu erleichtern, die Impfsicherheit aufrecht zu erhalten und den Tourismus zu fördern".

Ein Angebot auch für ausländische Touristen

Bislang kaum bekannt: Die Möglichkeit, sich im Urlaub impfen zu lassen, gilt in einigen Regionen Italiens auch für ausländische Touristen. Unter anderem in der Region Latium mit der Hauptstadt Rom. Gesundheitsassessor D'Amato sagt ausdrücklich:

Natürlich sind die deutschen Freunde herzlich willkommen, sich bei uns impfen zu lassen. Wir machen dies mit großer Freude und Hilfsbereitschaft.

Unterschiedliche Anmeldeverfahren

Auch einige andere Regionen bieten diese Möglichkeit. Außer dem Latium und Sizilien beispielsweise die Regionen Marken und Apulien. An Termine zu kommen, ist allerdings nicht immer einfach. Während im Latium für Ausländer eine Anmeldung über die Internetseite möglich ist, sind in Sizilien, Apulien und den Marken Anmeldungen über die Hotline und per Mail notwendig.

Voraussetzung ist in jedem Fall, dass die Impfwilligen ihre erste Dosis bereits bekommen haben, sich mindestens zwei Wochen in Italien aufhalten und der vorgesehene Termin für die Zweitimpfung in die geplante Urlaubszeit fällt.

Wo sich ausländische Touristen für eine Impfung anmelden können

Latium
https://prenotavaccino-covid.regione.lazio.it/main/booking/patient
Sizilien
prenotazioni.anomalie@qualitasiciliassr.it
Apulien
https://www.sanita.puglia.it/web/pugliasalute/manifestazione-di-interesse-turisti
Marken
lucia.difuria@regione.marche.it

Sorge vor ausuferndem Impftourismus

Einen ausufernden Impftourismus wollen die Italiener nicht. Gesundheitsassessor D'Amato betont, man stoße an seine Grenzen, wenn die Nachfrage zu groß werde. "Im Moment haben wir noch Verfügbarkeiten und diese stellen wir gerne den Bürgern zur Verfügung, die ein paar Wochen Urlaub in Italien verbringen wollen."

Bislang, sagt D'Amato, habe die Hauptstadtregion bereits rund 68.000 Impfdosen an Menschen verimpft, die nicht ihren Wohnsitz im Latium haben.

Manche Regionen warten noch auf Zusagen

Für das von der Regierung gewünschte Impfen im Urlaub gibt es noch kein grünes Licht unter anderem aus den Touristenhochburgen Emilia-Romagna (mit Rimini), der Toskana und Kampanien (mit der Amalfiküste). Die zuständigen Regionalpräsidenten fordern von Regierung noch Zusage über zusätzliche Impfdosen.

Der nationale Sonderkommissar Figliuolo aber zeigt sich optimistisch, dass in Kürze alle Regionen die Maßgabe aus Rom umsetzen und Impfungen im Urlaub möglich machen - für mehr Impfsicherheit und eine erfolgreiche Tourismussaison.

 

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 09. Juli 2021 um 10:07 Uhr.