Jair Lapid und Mevlut Cavusoglu (Arcivbild: Juni 2022) | AP

Rückkehr von Diplomaten Israel und Türkei nähern sich weiter an

Stand: 17.08.2022 15:18 Uhr

Jahrelang lagen die türkisch-israelischen Beziehungen nahezu auf Eis. Nun sollen Diplomaten beider Länder jeweils zurückkehren - laut Israel das Ergebnis eines Gesprächs mit dem türkischen Präsidenten Erdogan.

Israel und die Türkei wollen ihre diplomatischen Beziehungen vollständig wieder aufnehmen. Beide Länder hätten entschieden, Botschafter und Generalkonsuln wieder einzusetzen, teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Jair Lapid mit.

Dies sei Ergebnis von Lapids Besuch in Ankara im Juni und eines Gesprächs mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan - das schrieb Lapid auch auf Twitter. Das Verhältnis der beiden Mittelmeerländer war zuvor jahrelang angespannt.

"Die Wiederaufnahme von Beziehungen mit der Türkei ist ein wichtiger Gewinn für regionale Stabilität und eine wichtige wirtschaftliche Nachricht für die israelischen Bürger", sagte Lapid den Angaben seines Büros zufolge. Man werde weiter weltweit Israels Position stärken.

Einst enge Bündnispartner

Die Wiedereinrichtung voller diplomatischer Beziehungen sei die Fortsetzung eines Annäherungsprozesses innerhalb des vergangenen Jahres, hieß es weiter. Dies habe mit einem Besuch des vergangenes Jahr gewählten israelischen Präsidenten Izchak Herzog in der türkischen Hauptstadt begonnen und sich dann mit gegenseitigen Besuchen der Außenminister in Jerusalem und Ankara fortgesetzt.

Während Israel und die Türkei um die Jahrtausendwende noch enge Bündnispartner waren, galt das Verhältnis beider Mittelmeerländer seit mehr als einem Jahrzehnt als belastet. Zwischen den beiden Mittelmeerländern war es 2010 zum Zerwürfnis gekommen, nachdem bei der Erstürmung eines Gaza-Solidaritätsschiffs durch die israelische Marine zehn türkische Staatsbürger getötet worden waren.

2016 kam es zu einer ersten Wiederannäherung. Seit der Gaza-Krise 2018 aber, die rund um die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem eskaliert ist, hatten die beiden Länder keine Botschafter mehr im jeweils anderen Land. Mit Herzog war im Mai erstmals seit zehn Jahren wieder ein israelischer Präsident in die Türkei gereist. Im Juli unterzeichneten beide Seiten eine Luftfahrt-Vereinbarung. Anfang August eröffnete Israel wieder eine Wirtschaftsvertretung in Istanbul.

Streit zwischen Erdogan und Netanyahu

Erdogan hatte sich in der Vergangenheit immer wieder klar an die Seite der Palästinenser gestellt. Besonders zwischen Erdogan und dem ehemaligen israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu kam es immer wieder zu Eklats. Erdogan hatte Israel unter anderem einen "Genozid" im Gazastreifen vorgeworfen und es als "Land der Kindermörder" bezeichnet. Netanyahu konterte 2019, Erdogan schlachte Kurden ab.

Herzog begrüßte die Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen als "wichtige Entwicklung". Diese werde zu engeren Wirtschaftsbeziehungen, gegenseitigem Tourismus und Freundschaft zwischen beiden Völkern führen, sagte er nach Angaben seines Büros. "Gute nachbarschaftliche Beziehungen und partnerschaftlicher Geist im Nahen Osten sind für uns alle wichtig", so Herzog. "Mitglieder aller Glaubensrichtungen - Muslime, Juden und Christen - können und müssen in Frieden zusammenleben."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. August 2022 um 14:00 Uhr.