Anwohnerinnen und Anwohner stapeln vom Hochwasser zerstörte Habseligkeiten auf Müllhaufen in Drolenvol, Belgien. | AP

Belgien und Niederlande "Es ist ein Desaster, ein Tsunami"

Stand: 17.07.2021 20:08 Uhr

Auch in deutschen Nachbarländern hat das Unwetter schwere Schäden hinterlassen. In Belgien kamen bisher mindestens 27 Menschen ums Leben. In den Niederlanden kämpfen die Menschen mit Sandsäcken weiter gegen das Hochwasser.

Starkregen und Unwetter haben auch in Belgien und den Niederlanden zu schweren Verwüstungen geführt. Im Osten Belgiens wird nach den heftigen Überschwemmungen nach und nach das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg auf 27. "Leider müssen wir damit rechnen, dass diese Zahl in den nächsten Stunden und Tagen weiter ansteigen wird", teilte das Nationale Krisenzentrum des Landes mit. Mehr als 100 Menschen würden noch vermisst.

Aufgrund von Stromausfällen und Störungen der Telefonnetze sei es zu schwierig, die Menschen zu erreichen, sagte ein Sprecher des belgischen Krisenzentrums der Nachrichtenagentur AFP. Nach tagelangem Starkregen waren die dicht besiedelten Täler der Maas-Region überschwemmt worden.

Lage bleibt weiter kritisch

Inzwischen hat der Regen nachgelassen, die zurückweichenden Wassermassen hinterließen ein Bild der Zerstörung in etwa 120 belgischen Gemeinden. Verbeulte und teils zwischen Mauern eingekeilte Autos zeugten noch von der Gewalt der Wassermassen. Anwohnerinnen und Anwohner stapelten durchnässte Möbel auf den Gehwegen, pumpten das restliche Wasser aus den Kellern und beseitigten Wasserlachen in den Erdgeschossen.

In Teilen der Provinz Flämisch-Brabant sei die Situation weiterhin kritisch, hieß es. In den Gemeinden Zoutleeuw und Rotselaar könnte sich die Lage demnach sogar noch verschlechtern. Der Pegel der Demer habe einen kritischen Punkt erreicht.

Von der Leyen besucht betroffene Gemeinden

Regierungschef Alexander De Croo und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchten die betroffenen Gebiete; zunächst die Gemeinde Rochefort in der Provinz Namur, anschließend Pepinster in der Provinz Lüttich. Allein dort starben etwa zwölf Menschen in den Wassermassen. "Es ist ein Desaster, ein Tsunami", sagte Bürgermeister Philippe Godin.

Von der Leyen sagte den Betroffenen Unterstützung zu. "Ich sagte ihnen: Die EU steht an Eurer Seite. Wir trauern gemeinsam - und wir bauen gemeinsam wieder auf", erklärte sie auf Twitter. De Croo hat für Dienstag einen nationalen Trauertag ausgerufen.

Hochwasserlage in den Niederlanden weiter angespannt

In den Niederlanden kämpfen die Anwohneinnen und Anwohner entlang der Maas derweil mit Sandsäcken und Schutzmaßnahmen weiter gegen das Hochwasser. Mit einem Absinken des Wassers wird erst am Sonntag gerechnet, teilten die Behörden mit.

In Venlo an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen war ein Krankenhaus mit 200 Patientinnen und Patienten vorsorglich evakuiert worden. In der Stadt und umliegenden Orten wurden Tausende Menschen zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgerufen. Zwar richteten die Fluten erhebliche materielle Schäden an, Berichte über Verletzte gab es aber nicht.

Bürgermeister bedankt sich für Hilfe aus Deutschland

Die Behörden riefen Schaulustige auf, zu Hause zu bleiben, und drohten mit Bußgeldern. Wie die Stadt Venlo mitteilte, überwachte die Polizei auch aus der Luft die evakuierten Gebiete und die Deiche. Der Bürgermeister von Venlo, Antoin Scholten, bedankte sich für die enorme Hilfsbereitschaft, auch aus dem deutschen Grenzgebiet. Es habe Angebote zur Einquartierung von Bewohnerinnen und Bewohnern der evakuierten Gebiete gegeben, außerdem hätten Feuerwehren mit Material und Mannschaften zur Hilfe bereitgestanden.

Angesichts der katastrophalen Lage in den deutschen Hochwassergebieten habe man nicht gewagt, um Hilfe zu bitten, sagte Scholten.

Weiter nördlich in Gennep wurde die erwartete Hochwassermenge inzwischen nach unten korrigiert. Die Flutwelle werde unter der des verheerenden Hochwassers von 1993 bleiben. So wie es jetzt aussehe, werde das Wasser innerhalb der Deiche bleiben, hieß es. Ein Wehr an der aus dem Kreis Kleve einmündenden Niers wurde geschlossen. Nach dem Hochwasser 1993 waren in der Region entlang der Maas mit hohem Aufwand Deiche und Schutzbauten errichtet worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juli 2021 um 20:00 Uhr.