Rauch steigt von einem Feuer auf einem Berg in den nördlichen Vororten von Athen auf | AP

Hitze in Süd- und Westeuropa Feuer wüten im Norden Athens

Stand: 20.07.2022 13:56 Uhr

In vielen Teilen Europas ist es bisher nicht gelungen, die Waldbrände zu löschen. Im Norden Athens mussten Hunderte Menschen evakuiert werden. Auch in der Toskana kämpft die Feuerwehr gegen die Flammen.

Die Behörden in Griechenland haben 39 neue Brandherde binnen 24 Stunden gemeldet. Im Nordosten Athens drangen Flammen in bewohntes Gebiet ein und zerstörten zahlreiche Häuser. 30 Menschen, darunter drei Feuerwehrleute, mussten nach Angaben der Rettungskräfte wegen Verbrennungen und Atemproblemen medizinisch versorgt werden. Die Behörden ordneten die Evakuierung von mindestens zehn Gebieten und eines Krankenhauses an.

Wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte, wurden mit dem ersten Tageslicht neun Löschflugzeuge und sieben Löschhubschrauber gegen die Flammen eingesetzt. Zudem seien die Besatzungen von 120 Löschfahrzeugen im Einsatz, um zu verhindern, dass die Brände auf die Ortschaften Penteli, Pallini, Anthousa und Gerakas übergreifen. Die Löscharbeiten werden erschwert, weil es keine Feuerfront gibt und starker Wind die Feuer immer neu entfachte. Unzählige Brände toben in bewaldetem Gebiet wie auch in Wohnvierteln der Ortschaften rund um den Berg Penteli im Nordosten Athens, berichtete der staatliche Rundfunk.

Teile der Autobahn gesperrt

Dicke bräunliche Rauchschwaden waren aus fast allen Stadtteilen Athens zu sehen. Vorübergehend mussten wegen der begrenzten Sicht Teile der Autobahn gesperrt werden, die Athen mit dem Flughafen verbindet.

Das Feuer war am Dienstagnachmittag aus bislang unbekannten Gründen ausgebrochen und zunächst klein, berichteten Augenzeugen. Binnen kürzester Zeit fachten starke Winde es zu einem Großbrand an. In der Region unterhalb des Berges Penteli im Nordosten Athens waren schon im Sommer 2021 gewaltige Brände ausgebrochen.

Landesweit war die Feuerwehr wegen 117 Waldbränden im Einsatz. Die griechische Regierung berief einen Krisenstab ein und bat andere europäische Staaten um Unterstützung.

Siedlungen in der Toskana bedroht

In Italien in der Toskana versuchen mehr als 100 Feuerwehrleute, einen großen Waldbrand nahe der Stadt Lucca einzudämmen. Etwa 500 Bewohner in der Gegend der Gemeinde Massarosa seien in Sicherheit gebracht worden, teilte die Feuerwehr mit.

Auf einem Video aus der Nacht war zu sehen, wie die Flammen nahe einer Siedlung loderten und sich an Bäumen hochfraßen. Einige Gastanks seien explodiert, twitterte Regionalpräsident Eugenio Giani. Wegen starker Winde hätten sich einige Seiten der Brand-Front ausgedehnt. Aus der Luft unterstützen vier Löschflugzeuge und ein Helikopter die Brandbekämpfung. Der Einsatz läuft bereits seit vergangenem Sonntag. Das Feuer hat bereits 560 Hektar Wald zerstört.

Weitere Brände wurden aus anderen Teilen der Toskana gemeldet. In Florenz brannte es laut Bürgermeister in einem unbewohnten Gebiet auf einer Grünfläche. Anwohner in der toskanischen Hauptstadt sollten ihre Fenster geschlossen halten.

Höchste Warnstufe in ganz Italien

An der italienisch-slowenischen Grenze gingen die Löscharbeiten wegen eines Waldbrandes weiter. Laut Feuerwehr war ein Gebiet in der Gemeinde Doberdò, südlich von Görz (Gorizia) betroffen. Die Lage bessere sich den Rettungskräften zufolge. Bewohner wurden aufgefordert, wegen einer Rauchwolke ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Die Werft Fincantieri musste ihr Werk mit 3000 Mitarbeitern in der Hafenstadt Monfalcone nördlich von Triest schließen.

Wegen der Brände in der Gegend sperrten die Behörden bei Monfalcone einen Autobahnabschnitt zwischen Venedig und Triest in beiden Richtungen. Auch der Schienenverkehr in dem Gebiet wurde unterbrochen. Reisende sollten sich vor ihrer Fahrt über die Lage informieren.

Seit Wochen sind Feuerwehrleute in Italien im Einsatz, um Wald- und Buschbrände zu löschen. Auf den Ferieninseln Sizilien und Sardinien herrscht örtlich eine erhöhte, mitunter auch die höchste Waldbrand-Warnstufe. Die Feuer breiten sich wegen der seit geraumer Zeit anhaltenden Trockenheit oft schnell aus und werden von Winden angefacht.

Leichte Entspannung an der französischen Atlantikküste

Auch im Südwesten Frankreichs versuchen Feuerwehrleute weiterhin, die ausgedehnten Waldbrände einzudämmen. In der Weinbauregion Gironde registrierten die Einsatzkräfte die größten Feuer seit mehr als 30 Jahren.

Inzwischen zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Die beiden Feuer hätten sich in der Nacht "nur wenig weiter ausgebreitet", teilte die Präfektur der Region mit. Es sei gelungen, "erhebliche Brandschneisen zu schlagen". Auch das kühlere Wetter habe zu einer Entspannung beigetragen. Die Temperaturen in der Region fielen von mehr als 40 Grad am Dienstag auf 25 bis 29 Grad am Mittwoch.

Allein in der Gironde wurden bisher 19.000 Hektar Wald vernichtet, rund 37.000 Einwohner und Urlauber mussten vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Ein Mann wurde unter dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen.

Viele Brände auch in Spanien und Portugal

In Spanien kämpften Feuerwehrleute und Helfer gegen mehr als 30 Waldbrände. Mehr als 6000 Menschen aus 32 Dörfern mussten im Nordwesten ihre Häuser verlassen.

In Portugal warnte der Wetterdienst, 50 Gemeinden vor allem im Norden und der Mitte des Landes könnten von Feuerwalzen überrollt werden. Am Vormittag gab es in verschiedenen Teilen des beliebten Urlaubslandes 25 größere und kleinere Waldbrände, die von insgesamt gut 1200 Einsatzkräften bekämpft wurden, wie der Zivilschutz ANEPC mitteilte.

Die größten Sorgen bereiteten zwei Feuer in den Gemeinden Chaves und Murça im Bezirk Vila Real östlich der Metropole Porto im Norden des Landes. Allein bei diesen beiden Bränden waren den Angaben zufolge mehr als 900 Einsatzkräfte tätig. Bei der Bekämpfung dieser Feuer habe man zuletzt aber große Fortschritte gemacht, hieß es. Wegen der Brände der vergangenen Tage mussten nach Angaben des ANEPC 1055 Menschen ihre Siedlungen verlassen. Es habe mindestens drei Tote und 223 Verletzte gegeben.

Lage bleibt noch angespannt

Auch heute steht Deutschland und anderen europäischen Ländern extreme Hitze bevor. Nachdem am Dienstag am bislang heißesten Tag des Jahres in Emsdetten in Nordrhein-Westfalen mit 40 Grad Celsius der bislang heißeste Tag in diesem Jahr in Deutschland gemessen wurde, warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor ähnlichen Temperaturen weiter östlich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juli 2022 um 09:00 Uhr.