Hans Küng | picture alliance / Marijan Murat

Schweizer Kirchenkritiker Theologe Hans Küng ist tot

Stand: 06.04.2021 18:30 Uhr

Der Theologe Hans Küng ist tot. Der Schweizer zählte zu den bekanntesten Kirchenkritikern. Er starb im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Tübingen.

Der Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren in Tübingen, wie eine Sprecherin der Stiftung Weltethos sagte. Er sei friedlich in seinem Haus in Tübingen eingeschlafen.

Küng galt als einer der renommiertesten Theologen und war Begründer der Stiftung Weltethos. Der Schweizer hatte die katholische Kirche maßgeblich mit geprägt. Seine Bücher wurden Bestseller. In den vergangenen 30 Jahren engagierte er sich vor allem für den Dialog der Weltreligionen, insbesondere im "Projekt Weltethos". Die Gründung eines entsprechenden Institutes an der Universität Tübingen 2011 bezeichnete er als Anerkennung dieser Arbeit. "Nicht zuletzt, weil meine Jahre gezählt sind und ich möchte, dass mein Lebenswerk nach meinem Tod fortgeführt wird", sagte Küng damals.

Nach Papst-Kritik ohne Lehrlaubnis

Hinter dem "Projekt Weltethos" steht die Überzeugung, ohne Frieden unter den Religionen könne es keinen Frieden unter den Staaten geben. Küng hatte 1990 das gleichnamige Buch veröffentlicht und war darin in Anlehnung an die Philosophie Immanuel Kants der Frage nach einer alle Menschen und alle Religionen verbindenden Wertehaltung nachgegangen. Küng erhielt viele Auszeichnungen, darunter mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden.

1979 hatte Rom ihm die Lehrerlaubnis entzogen, unter anderem wegen Kritik an der Lehre der Unfehlbarkeit des Papstes. Als Papst Benedikt XVI. 2005 Küng empfing, sorgte das weltweit für Aufsehen.

Küng wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt Ehrenbürgerwürden, das Bundesverdienstkreuz mit Stern sowie wissenschaftliche Preise. Den letzten großen öffentlichen Auftritt hatte Küng im Frühjahr 2018. Die Stiftung Weltethos und die Universität hatten zu seinem 90. Geburtstag ein wissenschaftliches Symposium ausgerichtet, an dem unter anderen viele theologische Schüler Küngs teilnahmen und eine Bilanz seines Schaffens zogen.