Eine volle Regent Street in London. | REUTERS

Corona in England Omikron - in 60 Prozent aller Fälle

Stand: 19.12.2021 13:03 Uhr

Omikron ist in England nun die dominante Corona-Variante. Bisher setzte die britische Regierung aufs Impfen, doch Gesundheitsminister Javid schließt weitere Maßnahmen nicht mehr aus. Dem Gesundheitssystem droht sonst der Kollaps.

Die hoch ansteckende Omikron-Mutante ist in England zur dominierenden Variante des Coronavirus geworden. Omikron mache nun 60 Prozent aller Fälle im Land aus, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid im Interview mit dem Sender Sky News. Die Variante hatte sich in den vergangenen Wochen rasant ausgebreitet. Allein am Samstag wurden im gesamten Vereinigten Königreich von mehr als 90.000 Neuinfektionen 10.059 neue Omikron-Fälle gemeldet - dreimal so viele wie am Tag zuvor. Auch in Schottland ist Omikron bereits dominant.

Gesundheitsminister Javid verschärfte den Ton gegenüber den rund fünf Millionen Ungeimpften - etwa zehn Prozent der Bevölkerung. "Sie müssen wirklich über den Schaden nachdenken, den sie der Gesellschaft antun, indem sie Krankenhausbetten belegen, die ansonsten für jemand anderen genutzt werden könnten, vielleicht jemanden mit einem Herzproblem oder einer Operation", sagte er.

Bislang setzt die Regierung vor allem auf das Boostern und Impfen. Doch Impfen allein dürfte angesichts der Entwicklung nicht reichen, um die Omikron-Welle bewältigen zu können. Javid schloss daher weitere Maßnahmen noch vor Weihnachten nicht aus. Die Lage werde stündlich neu bewertet.

Wohl bis zu Hunderttausende Omikron-Fälle pro Tag

Medienberichten zufolge gibt es Diskussionen über eine Art Wellenbrecher-Lockdown. Wissenschaftliche Berater fordern eine möglichst schnelle Verschärfung der Maßnahmen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Man sei "fast sicher, dass es aktuell Hunderttausende neue Omikron-Infektionen pro Tag" in England gebe - also eine hohe Dunkelziffer.

Besonders betroffen ist die britische Hauptstadt. Londons Bürgermeister Sadiq Khan rief deshalb am Samstag den Katastrophenfall aus. Nun kündigte er weitere Beschränkungen an, die angesichts der Lage unvermeidlich seien.

Debatte über Lockdown

Lawrence Young, Virologe an der Universität Warwick, sagte: "Meine Position ist: Wir brauchen einen strengen, zweiwöchigen Lockdown. Darüber muss die Regierung jetzt nachdenken. Wir müssen zurückkommen zu den Restriktionen, die wir in diesem Jahr schon hatten."

Genau das will Premier Boris Johnson vermeiden - vor allem wegen des Widerstands in der eigenen Partei, die Johnson erst kürzlich eine Abstimmungsschlappe im Unterhaus bescherte. Wie groß die Ablehnung ist, zeigt der Rücktritt von Brexit-Minister David Frost. Medien berichteten, er habe unter anderem wegen der Corona-Politik seinen Rücktritt eingereicht, wohl aber auch wegen der stockenden Verhandlungen mit der EU.

Modellierer: Bis zu zwei Millionen Neuinfektionen täglich

Einige Modellierer warnten dem "Guardian" zufolge, ohne schärfere Maßnahmen drohten bis zum Jahreswechsel bis zu zwei Millionen Neuinfektionen täglich.

Der "Guardian" hatte am Samstag auch über eine Warnung britischer Mediziner vor massivem Personalausfall informiert. Schon jetzt gebe es Hunderte Krankschreibungen unter den Beschäftigten im Gesundheitswesen. Ohne weitere Corona-Maßnahmen könnten es bis Weihnachten bis zu 130.0000 sein.

Ab Montag Virusvariantengebiet

Um die Ausbreitung von Omikron in Deutschland zu verlangsamen, erklärte die Bundesregierung Großbritannien zum Virusvariantengebiet und beschränkte damit die Einreise aus dem Land drastisch.

Von Montag an dürfen nur noch Deutsche und Personen mit einem Wohnsitz in Deutschland aus dem Vereinigten Königreich einreisen. Passagiere müssen vor dem Abflug einen negativen PCR-Test nachweisen. Außerdem gilt eine 14-tägige Quarantäne, auch für Geimpfte und Genesene.

Mit Informationen von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.

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Moderation 19.12.2021 • 22:01 Uhr

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