Boris Johnson | AFP

Nordirland-Konflikt Johnson bedauert Tod von Zivilisten

Stand: 12.05.2021 19:28 Uhr

Als die britische Armee 1971 in Belfast gegen Paramilitärs vorging, erschossen Soldaten auch mehrere Zivilisten. Nun hat sich Premier Johnson dafür bei den Angehörigen entschuldigt. Die Täter konnten bis heute nicht ermittelt werden.

Rund 50 Jahre nach dem Tod von zehn Menschen im Nordirland-Konflikt hat Premier Boris Johnson sich im Namen der britischen Regierung für die damaligen Ereignisse entschuldigt. Der Premier bedauerte die "große Qual, die die langwierige Suche nach Wahrheit" für die Familien der Getöteten verursacht habe, ließ Downing Street 10 verlauten.

Seine Regierung wolle sich für Versöhnung und Fortschritte im nordirischen Friedensprozess einsetzen, kündigte Johnson an.

Fälle wurden 2018 neu aufgerollt

Eine offizielle Untersuchung der Vorfälle hatte ergeben, dass mindestens neun der zehn Zivilisten im Jahr 1971 während einer Militäroperation in Belfast durch Schüsse von Soldaten getötet worden waren. Alle Getöteten seien "vollkommen unschuldig" gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin Siobhan Keegan der BBC zufolge.

Strafrechtliche Folgen hat das jedoch vorerst nicht. Einzelne Verantwortliche konnten nicht identifiziert werden. Die Vorfälle ereigneten sich über mehrere Tage während einer Militäroperation gegen Paramilitärs in Belfast. Eine erste Untersuchung im Jahr 1972 war ohne eindeutiges Ergebnis zu Ende gegangen. Die Fälle wurden erst im Jahr 2018 neu aufgerollt.

13 Unbewaffnete getötet

Der Umgang mit mutmaßlichen Verbrechen durch britische Militärangehörige ist eines der heikelsten Themen des nordirischen Friedensprozesses. Bei dem Konflikt, der von Ende 1968 bis zum Karfreitags-Friedensabkommen 1998 andauerte, standen sich überwiegend protestantische Anhänger der Union mit Großbritannien und mehrheitlich katholische Befürworter einer Vereinigung der beiden Teile Irlands gegenüber.

Auch die Polizei und das britische Militär waren an den Auseinandersetzungen beteiligt. Tief ins Bewusstsein der nordirischen Katholiken brannte sich vor allem der "Bloody Sunday" ein. Britische Fallschirmjäger töteten am 30. Januar 1972 in Derry/Londonderry 13 unbewaffnete katholische Demonstranten. Ein weiterer starb Monate später an seinen Verletzungen. Nur bei einem der Soldaten kam es zu einer Anklage.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Mai 2021 um 20:00 Uhr.