Blick auf die leeren Gleise im Bahnhof Kings Cross in London | dpa

Streit um Lohnerhöhungen Erneut Streiks bei der britischen Bahn

Stand: 13.08.2022 13:19 Uhr

Zugreisende in Großbritannien müssen sich auf zahlreiche Ausfälle einstellen. Grund ist ein erneuter Streik der Lokführer. Seit drei Jahren habe es keine Lohnerhöhung gegeben, so die Gewerkschaft. Das sei "inakzeptabel".

Der Bahnverkehr in Großbritannien ist erneut durch einen Streik stark beeinträchtigt worden. Bei neun regionalen Betreibern legten mehrere Tausend Lokführer die Arbeit nieder, um den Forderungen nach einem deutlichen Lohnplus nochmals Nachdruck zu verleihen. Das teilte die Zugführergewerkschaft Aslef mit. Sie bezeichnete die 24-stündigen Streiks als das "letzte Mittel", um angesichts der Inflationsrate von inzwischen mehr als neun Prozent die Arbeitgeber und die Regierung zum Nachgeben zu bewegen. 

Durch die Streiks wurden manche Verbindungen komplett lahmgelegt, so jene am Londoner Flughafen Heathrow. Erst im Laufe des Sonntags soll sich die Lage normalisieren. Weitere Arbeitsniederlegungen bei der britischen Bahn sind für den kommenden Donnerstag und Samstag geplant. 

Drei Jahre lang keine Lohnerhöhung

Die Bahn ist in Großbritannien seit den 1990er-Jahren weitgehend privatisiert. Die privaten Betreiber müssen sich jedoch an gewisse staatliche Vorgaben halten. Die Gewerkschaft will in Gesprächen mit den Arbeitgebern höhere Löhne erzielen und fordert von der britischen Regierung, tätig zu werden.

Aslef verwies darauf, dass die Lokführer seit drei Jahren keine Lohnerhöhung mehr erhalten hätten. Dies sei angesichts der massiven Steigerung der Lebenshaltungskosten "inakzeptabel". Die Zugunternehmen könnten ohne Zustimmung der Regierung keine angemessenen Lohnerhöhungen anbieten.

Arbeitgeber fordern Reformen

Ein Sprecher des britischen Verkehrsministeriums rief jedoch lediglich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf, sich einig zu werden, damit Passagiere störungsfrei reisen könnten. Der Vertreter der Arbeitgeberseite, Steve Montgomery von der Rail Delivery Group, sagte der BBC, man sei zu Lohnerhöhungen bereit, allerdings seien die Umsätze während der Pandemie eingebrochen. Es seien Reformen notwendig. Sie fordern Änderungen an Status und Arbeitsbedingungen der Bahnbeschäftigten.

Während eines Streiks von historischem Ausmaß im Juni hatten die Bahn-Beschäftigten an drei Tagen einen Großteil des Betriebs auf der Schiene lahmgelegt. Es war der größte Bahnstreik seit mehr als 30 Jahren in Großbritannien.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. August 2022 um 13:00 Uhr.