Russlands Präsident Putin | AP

Interview vor Gipfeltreffen Putins Sicht auf Biden und Trump

Stand: 12.06.2021 12:46 Uhr

Wenige Tage vor dem Treffen mit US-Präsident Biden sind Auszüge eines Interviews mit Kremlchef Putin ausgestrahlt worden. Darin äußert er sich zu Bidens Vorwurf, ein Mörder zu sein, und findet lobende Worte für Trump.

Von Gesine Dornblüth, ARD-Studio Moskau, zzt. Berlin

Der US-Sender NBC News veröffentlichte bisher nur Ausschnitte des Interviews mit Wladimir Putin. Darin bezeichnet Russlands Präsident US-Präsident Joe Biden als einen "Karrieremenschen", der praktisch sein ganzes Berufsleben in der Politik verbracht habe. Mit ihm seien Vor- und Nachteile verbunden. Bidens Vorgänger Donald Trump hingegen sei, so Putin gemäß der englischen Übersetzung, eine "außergewöhnliche und talentierte Person".

Gesine Dornblüth ARD-Studio Moskau

"Eine Art verbale Verdauungsstörung"

Der russische Staatskanal Rossija 24 brachte einen kurzen Ausschnitt mit russischen Originalantworten Putins. Darin fragt der Interviewer, ob Putin ein Mörder sei - in Anklang an US-Präsident Biden, der diese Frage in einem Interview bejaht hatte.

Putin weicht aus: "Hören Sie, ich habe mich an Angriffe von verschiedenen Seiten, aus verschiedensten Anlässen, unterschiedlichster Qualität und Schärfe gewöhnt. Mich wundert nichts." Auf die Nachfrage des Journalisten entgegnet er: "Ich will nicht grob klingen, aber das hört sich an wie eine Art verbale Verdauungsstörung."

Ein Konfliktthema: Der Umgang mit Nawalny

Das volle Interview soll am Montag, zwei Tage vor dem Gipfeltreffen in Genf, ausgestrahlt werden. US-Präsident Biden will mit Putin in Genf nach eigenen Angaben unter anderem über die mutmaßliche Einmischung Russlands in US-Wahlen und über russische Cyber-Angriffe sprechen. Zugleich hat Biden immer wieder betont, sein Land wolle stabile Beziehungen zu Russland und suche keinen Konflikt.

Kremlsprecher Dmitrij Peskow sagte dem Sender CNN gestern, das Treffen der beiden Präsidenten sei der einzige Weg, einer weiteren Verschlechterung der derzeit kritischen Beziehungen zwischen den Ländern vorzubeugen.

Zuletzt hatte das Vorgehen der russischen Behörden gegen den in Russland inhaftierten Oppositionspolitiker Alexej Nawalny und das Verbot von dessen Organisationen für internationale Kritik gesorgt, auch beim Treffen der G7-Staaten. Aus dem Kreml heißt es, Putin werde mit Biden nicht über Nawalny sprechen.

Russland begeht heute seinen Nationalfeiertag. US-Außenminister Antony Blinken sandte ein Glückwunschtelegramm. Darin schrieb er, die Vereinigten Staaten seien für die Zusammenarbeit mit Russland und unterstützten das Streben der Russen nach Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. 

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 12. Juni 2021 um 13:40 Uhr.