Die G7-Staats- und Regierungschef beim Gipfel in Cornwall. | AFP

G7 zu China Zwei Perspektiven, ein Plan

Stand: 12.06.2021 18:31 Uhr

Am zweiten Tag des G7-Gipfels stand unter anderem das Verhältnis zu China auf dem Programm - mit durchaus unterschiedlichen Perspektiven. Als Gegengewicht zu Peking wurde ein globaler Infrastruktur-Plan beschlossen.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Trotz ausgesprochen frischer Wassertemperaturen in der Keltischen See wagten Gastgeber Boris Johnson und Kanadas Premier Justin Trudeau heute früh den Sprung ins kühle Nass. Damit waren die Köpfe wieder klar für die ambitionierte politische Agenda des Tages, nachdem gestern Abend noch das Gesellschaftliche im Vordergrund stand - bei einem Diner mit der königlichen Familie.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Auch die Queen war an die kornische Küste gekommen und hatte mit Joe Biden den 13. amerikanischen Präsidenten ihrer Regentschaft begrüßt. Der erste war im Jahre 1951 Harry Truman. Biden sieht sie morgen noch einmal, in Windsor Castle.

Ein Thema: Verhältnis zu China

Auf der Tagesordnung der G7-Staats- und Regierungschefs standen heute zwei schwergewichtige Themen: China und die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise. US-Präsident Biden hatte bereits bei seinem Abflug in Washington klargestellt, dass ihm an einer Allianz der demokratisch verfassten Industrienationen gegen China gelegen ist.

Nicht nur Russlands Präsident Putin, sondern gerade der Regierung in Peking solle im Schulterschluss klargemacht werden, dass die G7 die Regeln für den globalen Handel setzen und das nicht China überlassen. Pekings wachsender Einfluss rund um den Globus, die unfairen Handelspraktiken der chinesischen Staatswirtschaft, Chinas massive Investitionen in aller Welt werden von Washington aus mit Besorgnis beobachtet. Hinzu kommt die Menschenrechtslage.

EU will gute Handelsbeziehungen

Doch die EU hat eine etwas andere Perspektive, wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Gipfel betonte. "Auf der anderen Seite brauchen wir alle in der Welt", sagte sie. "Wir wollen zusammenarbeiten, gerade in den Bereichen des Klimaschutzes und der Biodiversität. Da werden wir niemals Lösungen ohne China erreichen."

Der Europäischen Union ist weniger an einem Systemwettbewerb um die ökonomische Vorherrschaft im Welthandel gelegen als an guten Handelsbeziehungen zu China. Sie sieht China weniger als Rivalen, sondern als höchst attraktiven Wachstumsmarkt. Unnötige Provokationen von Cornwall aus versuchen die Europäer zu vermeiden.

Merkel trifft Biden zum Gespräch

Die Bundeskanzlerin hatte am Rande der Beratungen die Gelegenheit, ein erstes Vier-Augen-Gespräch mit dem neuen US-Präsidenten zu führen, auch in Vorbereitung ihres anstehenden Washington-Besuches am 15. Juli. Man habe über Bidens künftiges Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen und Sichtweisen dazu ausgetauscht, erklärte Merkel im Anschluss. Auch der NATO-Gipfel und Afghanistan seien Thema gewesen.

Aus der Ära von Bidens Vorgänger Donald Trump übriggeblieben sind eine Reihe von Unstimmigkeiten zwischen Washington und Berlin - über die Höhe von Deutschlands Verteidigungsetat und vor allem über die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2. Letzteres sei kurz angesprochen worden, sagte Merkel. "Ich glaube wir sind hier insoweit auf einem guten Weg, als für uns beide existenziell ist, dass die Ukraine weiter Transitpartner beim Erdgas sein muss."

Dennoch: Auch die Biden-Regierung hat erhebliche Vorbehalte gegen das Projekt. Sie fürchtet eine zu große Energieabhängigkeit Deutschlands von Russland und bietet als Alternative zu russischem Erdgas ihr eigenes Fracking-Flüssiggas an.

Infrastruktur-Initiative soll auf den Weg

Bei den gemeinschaftlichen Bemühungen um wirtschaftliche Erholung drängen die britischen Gastgeber auf soziale Ausgewogenheit. "Es ist unerlässlich, nicht den Fehler zu wiederholen, der nach der Finanzkrise 2008 gemacht wurde", schrieb Boris Johnson seinen Gästen ins Stammbuch. Die wirtschaftliche Erholung habe damals nicht alle gesellschaftlichen Bereiche gleichermaßen erreicht.

Unter anderem wollen die G7 ein Infrastruktur-Hilfspaket für Entwicklungs- und Schwellenländer schnüren. Der Arbeitstitel: "Build Back Better World" - benannt nach Bidens Wahlkampf-Slogan aus der letztjährigen Präsidentschaftswahl. Geplant sind Milliardeninvestitionen in die globale Infrastruktur, ausdrücklich im Einklang mit den Pariser Klimaschutzzielen.

Parallel zum eigentlichen Gipfelgeschehen läuft noch ein Damenprogramm für die mitreisenden Gattinnen der Staatenlenker und natürlich den Kanzlergatten Joachim Sauer. Amerikas First Lady Jill Biden besuchte, - gemeinsam mit der Schwiegertochter der Queen, Kate Middleton - eine Grundschule und staunte über die wohlerzogenen britischen Kids. Ihr Mann traf neben Angela Merkel auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu einem Vier-Augen-Gespräch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Juni 2021 um 18:00 Uhr.