Das Ausschnitt des Gruppenbilds beim G20-Gipfel in Rom | AFP

G20-Gipfel in Rom Ein Auftakt mit Symbolcharakter

Stand: 30.10.2021 17:41 Uhr

Der erste Tag des G20-Gipfels in Rom stand im Zeichen der Corona-Krise. Klar ist: es sollen mehr Menschen geimpft werden. Nur wie? Mit dem Gruppenfoto setzten die Staats- und Regierungschefs ein Zeichen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die erfahrenste Teilnehmerin kam als eine der Letzten: Eine Stunde vor Beginn des Gipfels landete Angela Merkel in Rom - und wurde kurz darauf, beim traditionellen Handshake mit dem Gastgeber Mario Draghi vor dem Tagungszentrum, ein letztes Mal feierlich begrüßt. Die Bundeskanzlerin tritt auf dem G20-Gipfel gemeinsam auf mit ihrem wahrscheinlichen Nachfolger Olaf Scholz, der offiziell in seiner Funktion als Finanzminister dabei ist.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Zum Auftakt des Gipfels haben sich die Staats- und Regierungschefs unter anderem zum Ziel bekannt, das Impftempo in der Covid-Pandemie weltweit massiv zu erhöhen. In ihrer Abschlusserklärung soll festgeschrieben werden, bis Mitte nächsten Jahres mindestens 70 Prozent der Menschen in der Welt impfen zu wollen.

Italiens Regierungschef und G20-Gastgeber Draghi appellierte eindringlich an die reichen Staaten, mit dem Impfversprechen für alle ernst zu machen: "In Ländern mit hohem Einkommen haben bereits mehr als 70 Prozent der Bevölkerung zumindest eine Impfung bekommen. In den ärmeren Ländern sind es nur rund drei Prozent. Diese Unterschiede sind moralisch unakzeptabel und untergraben die weltweite Genesung."

"Wir brauchen einen konkreten Fahrplan"

Die Nicht-Regierungsorganisationen sagen, mehr Tempo bei der weltweiten Impfkampagne sei überfällig. Es dürfe aber nicht bei unverbindlichen Absichtserklärungen bleiben, mahnt Friederike Röder, Vizepräsidentin der humanitären Hilfsorganisation Global Citizen. "Was wir einerseits brauchen, ist ein klares Ziel, worauf sich die ganze Weltgemeinschaft mit den G20 in der Führungsrolle einigt. Aber, was wir auch brauchen, ist ein klarer Fahrplan, um zu diesen 70 Prozent zu kommen."

Chinas Präsident Xi Jinping, der in Rom nicht persönlich dabei ist, setzte sich in seiner Rede per Videostream etwa dafür ein, Patente für Corona-Impfstoff teilweise auszusetzen. 

Bekenntnis zur globalen Mindeststeuer

Globale Wirtschaft und globale Gesundheit waren die Leitthemen des ersten Gipfeltages, an dem die Staats- und Regierungschefs sich auch zur Einführung einer globalen Mindeststeuer bekannt haben. Diese Entscheidung sei eine Zeitenwende, betonte G20-Vorsitzender Draghi :"Wir haben eine historische Vereinbarung erreicht, für ein faireres und wirkungsvolleres internationales Steuersystem."

Mit der globalen Mindeststeuer von 15 Prozent sollen große Konzerne wie Amazon, Google oder Facebook künftig weltweit mehr Abgaben zahlen. Hierfür habe es "breite und länderübergreifende Unterstützung" gegeben, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Auch US-Präsident Joe Biden habe seine Zustimmung signalisiert.

Dass vor allem die Diskussion morgen zum Thema Klimaschutz schwierig werden dürfte, deutete bereits Wladimir Putin an, der, wie sein chinesischer Amtskollege, in Rom nicht persönlich dabei ist. Russlands Präsident machte in seiner Rede per Videoschalte deutlich, dass er nicht bereit ist, die zukünftige Energieversorgung vorrangig mit Blick auf den Klimaschutz zu diskutieren. Zur Stabilität der weltweiten Energiemärkte betonte Putin: "Russland schlägt eine grundlegende Diskussion zu diesem Thema vor, in pragmatischem Ton, basierend ausschließlich auf ökonomischem Denken."

Eine Geste der Dankbarkeit

Am Rande des G20-Gipfels gab es in Rom weitgehend friedliche Proteste von Klimaaktivisten und Globalisierungsgegnern, wobei eine Straße blockiert wurde. An einer Demonstration im Stadtzentrum beteiligten sich nach Schätzungen der Polizei knapp 3000 Teilnehmer.

Begonnen hatte der Gipfeltag mit einem besonderen Gruppenfoto. Gastgeber Draghi bat zusammen mit den Staats- und Regierungschefs auch Ärztinnen und Ärzte sowie Sanitäterinnen und Sanitäter mit aufs Bild. Als Geste des Danks an die Helferinnen und Helfer während der Covid-Pandemie, von der Italien in den Anfangsmonaten besonders hart getroffen war.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Oktober 2021 um 17:00 Uhr.