Die G20-Staats- und Regierungschefs zusammen mit Corona-Helfern beim Gipfel-Familienfoto. | EPA

G20-Gipfel in Rom Große Bühne für Corona-Helfer

Stand: 30.10.2021 13:47 Uhr

Corona-Impfungen vorantreiben und den globalen Temperaturanstieg begrenzen: Über die wichtigsten Themen ihres Gipfels sind sich die G20 offenbar einig. Über Details beraten sie nun. Das Auftaktfoto nutzten die Teilnehmer für einen Dank.

In Rom sind die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte zum G20-Gipfel zusammengekommen. Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi begrüßte sie im streng abgeschirmten Kongresszentrum in Rom zur ersten Sitzung. Am ersten Gipfeltag wird es um den Kampf gegen Corona und die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gehen.

In seiner Eröffnungsrede bekräftigte Draghi das Ziel der G20, bis Mitte des nächsten Jahres mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung gegen das Coronavirus zu impfen. Man sei nah dran, das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu erreichen, bis Ende Dezember 40 Prozent der Menschen zumindest eine Impfdosis zu geben, sagte Draghi. "Nun müssen wir alles tun, um bis Mitte 2022 70 Prozent zu erreichen."

Draghi kritisierte die großen Unterschiede bei den Impffortschritten. Während in reichen Staaten rund 70 Prozent der Einwohner mindestens einmal geimpft seien, falle die Quote bei den ärmsten Ländern auf drei Prozent. Diese Unterschiede seien "moralisch nicht akzeptabel" und untergrüben den weltweiten Kampf gegen die Pandemie, sagte er. Generell warb Italiens Regierungschef stark für mehr internationale Kooperation bei den drängenden Problemen.

Aktivisten fordern Unterstützung für arme Länder

Zum Auftakt des Treffens forderten Entwicklungsorganisationen wegen der Wirtschaftskrise und steigender Inflation mehr Unterstützung für ärmere Länder. Die Organisation World Vision rief zu vereinfachten Krediten für Entwicklungsländer und einer Verlängerung des im April beschlossenen Schuldenmoratoriums auf. "Wenn die G20 sich nicht schnell und eindeutig zur Bekämpfung der Schulden- und Hungerkrise entscheiden, werden die Auswirkungen der Pandemiebekämpfung in ärmeren Ländern noch viel schlimmer werden", sagte Dirk Bathe von World Vision. Menschen könnten sich keine Lebensmittel mehr leisten, Volkswirtschaften würden destabilisiert. "Das birgt enormes Konfliktpotenzial mit dauerhaften Folgen." Bereits heute litten mehr als 800 Millionen Menschen unter Nahrungsmangel.

Weltweit seien die Nahrungsmittelpreise um rund 40 Prozent gestiegen - der höchste Anstieg seit über einem Jahrzehnt. "Die G20 muss dazu beitragen, die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise gerechter zu gestalten und insbesondere das weltweite Hungerproblem anzugehen", sagte Jörn Kalinski von Oxfam. Auch der Klimawandel mit Wetterextremen bedrohe die Existenzgrundlage von Millionen Menschen - meist Arme, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen hätten.

Mehr tun fürs 1,5-Grad-Ziel

Am Sonntag, dem zweiten Gipfeltag, ist der Klimaschutz das Topthema des G20-Treffens. Laut einem Entwurf der Abschlusserklärung, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert, wollen die Staaten ihre Bemühungen verstärken, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken. "Wir verpflichten uns, die existenzielle Bedrohung durch den Klimawandel zu bekämpfen", heißt es im Entwurf. Man werde in diesem kritischen Jahrzehnt auf der Grundlage der besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse Maßnahmen ergreifen - allerdings im Lichte der unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten.

"Wir bleiben dem Ziel des Pariser Abkommens verpflichtet, den globalen Durchschnittstemperaturanstieg deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, ihn auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, auch um die Verwirklichung der Agenda 2030 zu ermöglichen." Zudem wird dort unterstrichen, dass die Staats- und Regierungschefs "die zentrale Bedeutung" des Erreichens von Netto-Null-Emissionen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts anerkennen - ein Ziel, zu dem sich einige der größten Umweltverschmutzer der Welt noch nicht verpflichtet haben.

Die Länder wollen sich beim Klimaschutz künftig besser absprechen. Man werde die Zusammenarbeit bei Technologieentwicklung und -transfer und mit Blick auf einvernehmlich vereinbarte Bedingungen verstärken, hieß es im Entwurf der Erklärung. Globale Initiativen und gemeinsame oder bilaterale Projekte sollten bei der Entwicklung der effizientesten Lösungen in allen Wirtschaftssektoren helfen. Ziel sei der Zugang zu sauberer Energie für alle. Die G20-Staaten spielen beim Kampf gegen den Klimaschutz die entscheidende Rolle, weil sie für mehr als drei Viertel der Emissionen verantwortlich sind.

Mehrere Demonstrationen geplant

Noch vor Beginn des Gipfels hatte die italienische Polizei eine Blockade einiger Dutzend Klima-Aktivisten in Rom geräumt. Die Demonstranten hatten sich auf die Fahrbahn einer mehrspurigen Straße nahe des Umweltministeriums gesetzt, wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte. Die Straße führt zum G20-Veranstaltungsort. Für den Nachmittag wurden in Rom zwei Demonstrationen erwartet. Die Kommunistische Partei wollte sich an der Piazza di San Giovanni in Laterno östlich des Kolosseums versammeln. Wenig später war unter anderem eine Demonstration von Klimaaktivisten geplant, die in Richtung historisches Zentrum ziehen wollte. Es werden Tausende Teilnehmer erwartet.

Gipfel mit Merkel aber ohne Xi und Putin

Das Treffen in Rom ist der letzte G20-Gipfel mit Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie reiste zusammen mit Wirtschaftsminister und ihrem wahrscheinlichen Nachfolger Olaf Scholz an. Die beiden haben sich vorgenommen, Kontinuität in der deutschen Außenpolitik nach dem bevorstehenden Regierungswechsel zu demonstrieren. Am Nachmittag wollen sie sich zusammen mit US-Präsident Joe Biden treffen.

Beim traditionellen Familienfoto vor Beginn des Gipfels holten die Staats- und Regierungschef Corona-Helfer mit aufs Podest. Nachdem sich die Spitzenpolitiker der wichtigsten Industrieländer aufgestellt hatten, bat Gastgeber Draghi auch noch Ärzte, Krankenpfleger und Sanitäter auf die Bühne. Unter dem Applaus der Politiker stellten sich diese dann zwischen sie.

Zwei wichtige Staatschefs fehlen allerdings auf dem Foto - und beim Gipfel: Der chinesische Präsident Xi Jinping und der russische Präsident Wladimir Putin reisten wegen der Corona-Pandemie nicht an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Oktober 2021 um 09:55 Uhr.