Berit Reiss-Andersen zeigt die Gewinner des Friedensnobelpreises, Maria Ressa und Dmitri Muratow, auf dem Display eines Smartphones. | AP

Bekanntgabe in Oslo Friedensnobelpreis für Ressa und Muratow

Stand: 08.10.2021 12:15 Uhr

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die Journalisten Dmitri Muratow und Maria Ressa. Das norwegische Nobelkomitee zeichnete sie für ihren Einsatz für die Meinungsfreiheit aus. Der Preis ist mit 985.000 Euro dotiert.

Die Journalistin Maria Ressa von den Philippinen und der Journalist Dmitri Muratow aus Russland werden dieses Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das teilte das norwegische Nobelkomitee in Oslo mit. Sie bekommen den Preis für ihre Bemühungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden sei, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen.

Mit ihrer Auszeichnung solle die Bedeutung des Schutzes der Meinungs- und Pressefreiheit unterstrichen werden. "Freier, unabhängiger und faktenbasierter Journalismus dient dem Schutz vor Machtmissbrauch, Lügen und Kriegspropaganda", so Reiss-Andersen. Ressa und Muratow stünden "stellvertretend für alle Journalisten, die dieses Ideal in einer Welt verteidigen, in der Demokratie und Pressefreiheit immer ungünstigere Bedingungen vorfinden".

Einsatz für die Meinungsfreiheit

Als Journalistin und Leiterin von "Rappler", einem digitalen Medium für investigativen Journalismus, habe sich Ressa als unerschrockene Verteidigerin der Meinungsfreiheit erwiesen, erklärte Reiss-Andersen. Ressa nutze die Pressefreiheit, um "Machtmissbrauch, Gewaltanwendung und wachsenden Autoritarismus" auf den Philippinen aufzudecken. Die 58-Jährige habe kritisch über die "umstrittene, mörderische Anti-Drogen-Kampagne" von Präsident Rodrigo Duterte berichtet.

Der 59-jährige Muratow, Mitgründer und Chefredakteur der russischen Zeitung "Novaja Gazeta", habe sich trotz Morden und Drohungen geweigert, die Unabhängigkeit seiner Zeitung aufzugeben und "sich konsequent für die Rechte von Journalisten eingesetzt", so Reiss-Andersen. Er habe "seit Jahrzehnten unter immer schwieriger werdenden Bedingungen die Meinungsfreiheit in Russland verteidigt".

329 Kandidaten waren nominiert

Ressa ist die 18. Frau, die den Friedensnobelpreis erhält. Muratow ist der 91. Mann in der Liste der Preisträgerinnen und Preisträger, seitdem die Auszeichnung 1901 zum ersten Mal vergeben wurde. Der Preis wird traditionell am 10. Dezember in Oslo überreicht, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Er ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 985.000 Euro) dotiert.

Im vergangenen Jahr ging der Preis an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, das damit unter anderem für seinen Kampf gegen den Hunger in der Welt geehrt wurde. Dieses Jahr waren 329 Kandidaten - 234 Persönlichkeiten und 95 Organisationen - nominiert worden. Das ist die drittgrößte Zahl an Nominierten überhaupt.

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Seit 1901 wird der Friedensnobelpreis verliehen - eine Auswahl der Preisträger

50 Jahre Geheimhaltung

Die Namen der Nominierten werden traditionell 50 Jahre lang geheimgehalten. Ex-Bundeskanzler Willy Brandt als letzter deutscher Preisträger wurde 1971 für seine Ostpolitik ausgezeichnet, die zur Entspannung im Kalten Krieg beigetragen hatte.

Als einziger Nobelpreis wird der Friedensnobelpreis nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen. Er gilt als die renommierteste politische Auszeichnung der Welt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.