Wahlplakate von Macron und Le Pen im Wahlkampf | REUTERS

Präsidentschaftswahl in Frankreich Macron und Le Pen liegen vorn

Stand: 11.04.2022 05:34 Uhr

Während Macron und Le Pen das Wahlergebnis feiern, besiegelt die Präsidentschaftswahl in Frankreich wohl den endgültigen Niedergang zweier einstiger Volksparteien. Die konservativen Republikaner und die Sozialisten sind die großen Verlierer.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Der Jubel auf der Wahlparty des amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron war groß. Die Erleichterung auch. Deutlicher, als es die Umfragen zuletzt vorhergesagt hatten, liegt Macron vor seiner härtesten Konkurrentin Marine Le Pen vom extrem rechten Rassemblement National. Bis zum frühen Morgen waren nach Angaben des französischen Innenministeriums 97 Prozent der Stimmen ausgezählt. Macron lag demnach mit 27,60 Prozent in Führung. Le Pen kam auf 23,41 Prozent.

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

"Euer Vertrauen ehrt mich und verpflichtet mich, mich zu engagieren", sagte er. "Ihr könnt auf mich zählen, um unser Projekt des Fortschritts und der Unabhängigkeit für Frankreich und Europa nach vorne zu bringen. Das haben wir in diesem Wahlkampf verteidigt." Macron, der wegen der Pandemie, dann wegen des Krieges in der Ukraine erst spät in den Wahlkampf eingestiegen war, hat es auf den letzten Metern doch noch geschafft, zu mobilisieren. Für sich, aber auch gegen Le Pen.

Kurze Enttäuschung, dann Freude

Beim Rassemblement National hatten sie sich schon auf den Spitzenplatz eingestellt. Kurze Enttäuschung, dann aber Freude. Denn bereits jetzt ist klar, Le Pen fährt das beste Ergebnis im ersten Wahlgang in der Geschichte der rechts-außen Partei ein. Auch, weil sie sich im Laufe des Wahlkampfes ein weicheres Bild gegeben hat.

Vor ihren Anhängern allerdings vertrat sie einmal mehr ihre klar nationalistische Politik: "Von eurer Wahl am 24. April hängt die künftige Politik dieses Landes ab," sagte sie. "Nicht nur die der nächsten fünf Jahre, die der nächsten 50 Jahre. Die Einwanderungs- und Sicherheitspolitik, die Umweltpolitik, die Sozial- und auch die Europapolitik. Mein Engagement ist total." Sie werde in allen Bereichen wieder einen souveränen Staat aus Frankreich machen. Das heiße, die Freiheit der Franzosen, ihre Interessen verteidigen.

Ähnliche Töne kamen auch vom geschlagenen Rechtsextremisten Eric Zemmour. Mir rund sieben Prozent blieb er weit unter seinen Erwartungen zurück. Er wolle Frankreich aber weiter verteidigen und rufe daher zur Wahl Le Pens auf.

Keine Wahlempfehlung

Ganz anders, Jean-Luc Mélenchon von der links-außen-Partei La France Insoumise, der mit 21,95 Prozent der Stimmen auf Platz drei landete: "Niemand darf auch nur eine einzige Stimme an Madame Le Pen geben", bekräftigte Mélenchon gleich dreimal, ohne allerdings zur Wahl von Macron aufzurufen.

Die große Verliererin des Abends, Valérie Pécresse, Spitzenkandidatin der konservativen Republikaner hingegen, rief ihre Anhänger auf, sich ihre Wahl in der zweiten Runde gut zu überlegen: "Ich wähle Emmanuel Macron, um Marine Le Pen zu verhindern. Ich kann nicht über die Stimmen verfügen, die ich heute Abend erhalten habe, aber ich bitte meine Wähler abzuwägen, welche gravierenden Folgen eine andere Wahl als meine für dieses Land hätte."

Es war ein gesichtswahrender Auftritt von Pécresse, die mit rund fünf Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der Partei eingefahren hat. Schlimmer traf es nur die Sozialisten. Nach dem die Partei schon 2017, bei den letzten Wahlen, weit unter zehn Prozent gerutscht war, landete ihre Kandidatin, Anne Hidalgo, dieses Mal bei unter zwei Prozent. Diese Wahl bringt somit nicht nur Macron und Le Pen erneut in die Stichwahl, sie besiegelt auch den endgültigen Niedergang der beiden ehemals großen Volksparteien - der konservativen Republikaner und der Sozialisten.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 10. April 2022 um 22:35 Uhr und es berichteten die tagesthemen über dieses Thema um 23:15 Uhr.