Die Feuerwehr bekämpft einen Waldbrand in Gonfaron (Frankreich). | AFP

Waldbrand nahe Saint-Tropez Tausende retten sich vor den Flammen

Stand: 17.08.2021 15:42 Uhr

Seit Montag wütet ein Waldbrand bei Saint-Tropez an der Cote d’Azur. Tausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, zahlreiche Campingplätze wurden evakuiert. Starke Winde fachen die Flammen weiter an.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Dunkle Rauchschwaden hängen über der Cote d’Azur. Am Abend war ein Feuer an einer Autobahnraststätte in der Ferienregion ausgebrochen und frisst sich seitdem durch ein Naturschutzgebiet bis zur Küste. Mehr als 5000 Hektar Fläche sind betroffen.

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

Die Flammen zerstörten bereits einen Campingplatz nahe der Ortschaft Grimaud völlig. Und immer noch ist der Brand im südfranzösischen Departement Var, nahe der Stadt Saint-Tropez nicht vollständig unter Kontrolle. Tausende Menschen wurden in der Nacht in Sicherheit gebracht.

Obdach in einer Turnhalle

"Glut und Funken sind auf uns herabgeregnet", sagte ein Tourist dem Fernsehsender BFMTV. Er und die Familie mussten ihr Ferienhaus verlassen. Sie wurden in einer Turnhalle untergebracht. "Wir hatten gerade noch Zeit, das nötigste zu packen und sind nach Le Luc gefahren." Auch Campingplätze in der Region wurden evakuiert. "Wir bekamen einen Anruf von der Rezeption", erzählte ein Familienvater. Sie seien aufgefordert worden, sofort das Areal zu verlassen. "Also haben wir schnell alles gepackt."

Der Bürgermeister der südfranzösischen Gemeinde La Mole, Stéphane Gady, half selbst mit, Menschen vor den Flammen zu retten. "Wir sind hier einer Familie zur Hilfe gekommen, die in großer Gefahr war." Er teilte ein Video auf Facebook. Es zeigt ihn und mehrere Rettungskräfte im dichten Rauch, Feuer überall. "Wir wurden von den Flammen eingeschlossen und wir kommen im Moment nicht zurück in den Ortskern, das Feuer kam sehr schnell näher", erzählte er.

Zerstörungen im Naturschutzgebiet

Mehr als 900 Feuerwehrmänner und Einsatzkräfte sind inzwischen vor Ort. Polizisten unterstützen die Evakuierungen. Löschflugzeuge und Hubschrauber sind im Einsatz. In der Region hält sich derzeit auch Präsident Emmanuel Macron in seiner Sommerresidenz Fort de Brégançon am Mittelmeer auf. Er wollte sich im Tagesverlauf vor Ort ein Bild von der Lage machen, ebenso wie Innenminister Gerald Darmanin.

Die französische Behörde für Artenvielfalt spricht von einer Katastrophe für das Naturschutzgebiet. Dort lebt unter anderem die stark gefährdete griechische Landschildkröte. Die Hälfte des Gebietes sei von den Flammen bereits zerstört.

"Situation sehr angespannt"

Angefacht durch den starken Wind, den Mistral, mit Böen von bis zu 70 Stundenkilometern und genährt von trockenen Gräsern und Bäumen, seien die Flammen nur schwer zu stoppen, erklärte Olivier Pecot von der Feuerwehr im Departement Var.

"Das Feuer ist sehr schnell, es verbreitet sich mit einer Geschwindigkeit von rund 4000 Metern in der Stunde". Das sei viermal schneller, als sonst bei solchen Bränden üblich. "Die Situation ist wesentlich angespannter, als im schlimmen Brandjahr 2003."

Damals wurden durch Brandstiftung mehr als 70.000 Hektar in der Region zerstört. Vier Menschen, darunter drei ausländische Touristen starben. Auch 2017 gab es schwere Brände in der Region rund um Saint-Tropez, bei denen Tausende Touristen und Bewohner in Sicherheit gebracht werden mussten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. August 2021 um 13:28 Uhr.