Emmanuel Macron | dpa

Regionalwahlen in Frankreich Was bedeuten die Ergebnisse für Macron?

Stand: 28.06.2021 13:51 Uhr

Nach der Wahlschlappe ihrer Parteien sind Macron und Le Pen in Erklärungsnot. Die Linken und Konservativen sind dagegen die Gewinner der Regionalwahlen. Was bedeutet das für die Präsidentenwahl im Frühjahr?

Von Linda Schildbach, ARD-Studio Paris

Die bürgerlich Konservativen in Frankreich schöpfen aus dieser Regionalwahl Hoffnung und Selbstvertrauen. Sie konnten sich in ihren Regionen behaupten und den rechtspopulistischen Gegner vom Rassemblement National in die Schranken weisen. Nur wenige Minuten nach der ersten Hochrechnung hat der Gewinner der Region Hauts-de-France, Xavier Bertrand, bereits seine Ambitionen für die Präsidentenwahl verkündet. "Formons une belle équipe" - zu deutsch: Lasst uns ein großartiges Team bilden - rief er den beiden anderen konservativen Wahlsiegern, Laurent Wauquiez und Valérie Pécresse zu.

Pécresse, Regionalpräsidentin im Großraum Paris, stimmte mit ein: "Eine sehr schöne Mannschaft für Frankreich und niemand ist unverhofft drin. Denn so unterschiedlich die Sieger auch sind, sie wurden alle im extrem schwierigen Kontext erzielt. Es ist unsere Verantwortung, uns zu vereinigen, kollektiv zu handeln und eine dritte Kraft entstehen zu lassen."  

Die Konservativen als dritte Kraft, also als Alternative und Herausforderung des Duells Macron - Le Pen. Gerade die beiden wurden durch die Wähler doppelt abgestraft, titelt die Tageszeitung "Le Figaro". Die Wahlen haben die erheblichen Schwächen des Macron-Lagers enthüllt: Es ist nicht lokal verankert und landet auf den hinteren Plätzen.

Macrons Bewegung "eine umgedrehte Pyramide"

Den Politikwissenschaftler Jean-Yves Camus überrascht das nicht: "Das ist das Paradoxe an diesem Präsidenten. Er ist der Erste in der neueren Geschichte, der gewählt worden ist, ohne dass eine Partei ihn unterstützt und getragen hätte. Beobachter des politischen Lebens sagen: Die Bewegung der 'République En Marche' ist eine umgedrehte Pyramide, sie ruht auf ihrer Spitze und hat keine Basis."

Viel auf dem Spiel stand dagegen für Marine Le Pen. Doch ihr Strategiewechsel ging nicht auf, analysiert der Politik-Journalist Alain Duhamel: "Sie wollte sich respektvoll verhalten, sich mäßigen und ganz offensichtlich hat das niemanden mobilisiert. Der Rassemblement National muss das Risiko eingehen, Angst zu machen. Marine Le Pen kann bei Sicherheit und Einwanderung punkten, aber man erwartet von ihr keine finanzpolitischen Ideen."  

Doch die Freudensprünge im konservativen Lager und bei den Sozialisten sollten nicht zu groß sein. Das Problem: Auch wenn die Verlierer der Regionalwahl feststehen, was bedeuten die Siege, wenn gerade einmal jeder dritte Franzose überhaupt seine Stimme abgegeben hat?  

Macron und Le Pen bei Umfrage weiter vorn

Von einem demokratischen Desaster spricht der Präsident des Umfrageinstituts "ELABE", Bernard Sananès: "Man könnte sagen, dass alle Regionalchefs gestärkt worden sind, aber gleichzeitig zeigt die niedrige Wahlbeteiligung auch: Sie konnten nicht überzeugen, dass die Region nützlich und ihre Bilanz wichtig ist. Das ist das Auffälligste bei dieser Regionalwahl."


Allein wegen der unterschiedlichen Bedeutung, die ihnen die Franzosen beimessen, lassen sich Regional- und Präsidentenwahlen nicht eins zu eins vergleichen. Für Le Pen und Macron ist also noch lange nichts verloren. Eine Ipsos-Umfrage sieht die beiden in der ersten Runde der Präsidentenwahl nach wie vor vorn. An dritter Stelle aber steht inzwischen schon der Konservative Xavier Bertrand.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juni 2021 um 11:00 Uhr.