Ein Paar geht vor dem "Hotel des Invalides" spazieren, das anlässlich der französischen EU-Ratspräsidentschaft in blauem Licht erstrahlt, Paris. | AFP

Trotz neuer Corona-Höchststände Frankreich weicht Quarantäne-Regeln auf

Stand: 02.01.2022 10:25 Uhr

Trotz immer neuer Corona-Höchststände weicht Frankreich seine Quarantäne-Regeln auf. Neben verkürzter Fristen entfällt eine Quarantäne für vollständig geimpfte Kontaktpersonen. So will die Regierung einen Stillstand des Landes verhindern.

Ungeachtet einer Rekordzahl von Corona-Neuinfektionen verkürzt Frankreich seine Quarantäne-Fristen. Vollständig Geimpfte müssen im Fall einer Infektion von Montag an nur noch sieben Tage in Quarantäne, kündigte Gesundheitsminister Olivier Véran in der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" an. Die Quarantäne kann mit einem negativen Schnelltest oder PCR-Test auf fünf Tage verkürzt werden. Für nicht oder nicht vollständig Geimpfte bleibt es bei einer Quarantäne von zehn Tagen, die mit einem negativen Test auf sieben Tage verkürzt werden kann. Kontaktpersonen, die nicht oder nicht vollständig geimpft sind, müssen weiterhin sieben Tage in Quarantäne.

"Destabilisierung des gesellschaftlichen Lebens verhindern"

Vollständig geimpfte Kontaktpersonen müssen hingegen in Frankreich ab Montag nicht mehr in Quarantäne, vorausgesetzt sie testen sich binnen sechs Tagen jeweils jeden zweiten Tag. Die entsprechenden Tests gibt es gratis in der Apotheke. Die Lockerung der Quarantäne-Regeln solle eine Destabilisierung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens verhindern, betonte Véran. Denn wenn sich ganz Frankreich in Quarantäne befände, käme das Land zum Stillstand.

Zuvor hatte Frankreich den vierten Tag in Folge mehr als 200.000 Corona-Neuinfektionen verzeichnet. Am Samstag wurden 219.126 Ansteckungen mit Sars-CoV-2 registriert. Das ist der zweithöchste Wert seit dem Beginn der Pandemie.

Während die Quarantäne-Regeln gelockert werden, sollen andere Corona-Maßnahmen wegen der stark steigenden Ansteckungszahlen von Montag an verschärft werden, wie die Behörden mitteilten.

Maskenpflicht auch für kleinere Kinder

Unter anderem gilt dann nach Behördenangaben auch für Kinder ab sechs Jahren in öffentlichen Verkehrsmitteln und in der Gastronomie die Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske. Bislang waren Kinder unter elf Jahren von der Maskenpflicht befreit.

Als weitere Maßnahme gegen die Verbreitung des Coronavirus muss in Frankreich von Montag an außerdem die Bordgastronomie in Zügen schließen, und in Bars und Restaurants müssen alle Gäste einen Sitzplatz haben. Viele Départements und Städte, darunter der Großraum Paris und die Metropole Lyon, kündigten darüber hinausgehende Maßnahmen an. Dort gilt bereits seit Freitag eine Maskenpflicht auch auf der Straße.

Weitere Verschärfungen voraussichtlich ab Mitte Januar

Am Montag steht im Abgeordnetenhaus in Paris zudem ein Gesetzentwurf zur Verschärfung der Regeln für Ungeimpfte zur Abstimmung. Die Annahme gilt als sicher. Voraussichtlich ab dem 15. Januar soll dann für Menschen über zwölf Jahren für diverse Freizeitaktivitäten und für den Zugang zu Restaurants, Bars, Messen und überregionalen öffentlichen Verkehrsmittel eine Corona-Impfpflicht gelten. Ein negativer Test reicht dann nicht mehr aus.

Staatschef Emmanuel Macron hatte in seiner Neujahrsansprache auch Bezug auf die aktuelle pandemische Lage in Frankreich genommen. Er erklärte, die kommenden Wochen würden "schwierig". Es gebe wegen der Corona-Impfungen aber auch "echte Gründe zu hoffen".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Januar 2022 um 06:02 Uhr.