Menschen protestieren in Paris gegen die geplante Einführung des Corona-Impfzertifikats. | REUTERS

Frankreich verschärft Corona-Regeln Kein Zutritt für Ungeimpfte

Stand: 16.01.2022 20:29 Uhr

Ungeimpfte haben in Frankreich künftig keinen Zutritt mehr zu Fernzügen, Kultureinrichtungen oder Restaurants. Bisher reichte ein negativer Corona-Test. Der Parlamentsentscheidung waren Proteste vorausgegangen.

Das französische Parlament hat die Einführung eines neuen Corona-Impfzertifikats beschlossen. In der Nationalversammlung sprachen sich 215 Abgeordnete dafür aus, 58 stimmten dagegen. Sieben Abgeordnete enthielten sich.

Das Gesetz sieht vor, dass ungeimpfte Menschen ab 16 Jahren künftig keinen Zugang mehr zu Gastronomie, Stadien, Kultureinrichtungen und dem Fernverkehr haben sollen.

Landesweite 2G-Regel in Frankreich

Frankreichs Regierung will angesichts enorm hoher Infektionszahlen weitere Anreize für eine Corona-Impfung setzen. Mit der Regelung soll der aktuell geltende Gesundheitspass, der Nachweis über eine Impfung, eine Genesung oder einen aktuellen negativen Corona-Test gibt, zum Impfpass umgewandelt werden. Das neue Impfzertifikat entspricht dann der deutschen 2G-Regel.

Ein negativer Test reicht damit bald nicht mehr aus, um Zugang zu zahlreichen Orten zu bekommen. Ursprünglich sollte die Regelung bereits zum 15. Januar greifen. Wegen hitziger Debatten in der Nationalversammlung sowie zwischen den beiden Parlamentskammern verzögerte sich das Vorhaben.

Wann genau die Neuerung in Kraft tritt, ist noch unklar: Die sozialistischen Abgeordneten kündigten an, den Text dem Verfassungsgericht vorzulegen, womit sich die offizielle Verkündung des neuen Gesetzes noch einmal um mehrere Tage verschieben dürfte.

Zweifel an Wirksamkeit der Maßnahme

Mehr als 91 Prozent der Erwachsenen in Frankreich sind bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Kritiker bezweifeln deshalb, dass die neue Vorschrift große Auswirkungen haben wird. Der französische Präsident Emmanuel Macron und die Regierung hoffen, mit der Regelung die Zahl der Corona-Patienten zu begrenzen, die die überlasteten Krankenhäuser im ganzen Land füllen, und damit einen weiteren Lockdown verhindern zu können. Solche Schließungen würden der Wirtschaft einen weiteren Schlag versetzen - und könnten auch Macrons Chancen auf einen Sieg bei der Präsidentschaftswahl am 10. April trüben.

Mehr als 76 Prozent der französischen Intensivbetten sind mit derzeit Corona-Patienten belegt, von denen die meisten nicht geimpft sind. Jeden Tag sterben etwa 200 Menschen in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. In den vergangenen Wochen waren die Infektionszahlen in Frankreich rapide angestiegen. Zuletzt lag die registrierte Zahl der Ansteckungen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner landesweit bei etwa 2829. Täglich wurden mehr als 300.000 Neuinfektionen gemeldet.

Proteste gegen französische Corona-Politik

Aus Protest gegen die geplanten Einschränkungen sowie die Corona-Politik der Regierung waren zuletzt in verschiedenen französischen Städten etwa 54.000 Menschen auf die Straße gegangen.

Am Wochenende traten bereits neue Regeln für den Impfnachweis in Kraft. Erwachsene, deren zweite Impfung schon sieben Monate zurückliegt und die noch keine Auffrischungsimpfung bekommen haben, gelten nun offiziell als nicht mehr geimpft. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind rund 560.000 Menschen von der Maßnahme betroffen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2022 um 20:00 Uhr.