Eine Polizeiabsperrung in Rambouillet | AFP

Terrorverdacht in Frankreich Tote bei Messerattacke in Polizeiwache

Stand: 24.04.2021 03:05 Uhr

In der französischen Kleinstadt Rambouillet hat es einen Messerangriff in einer Polizeiwache gegeben. Eine Frau und der Angreifer wurden getötet. Die Antiterror-Staatsanwaltschaft ermittelt.

In Frankreich ist eine Verwaltungsangestellte der Polizei bei einem Angriff getötet worden. Ein terroristisches Tatmotiv könne nicht ausgeschlossen werden, sagte die Regionalpräsidentin des Großraums Paris, Valerie Pécresse. Auch Präsident Emmanuel Macron äußerte sich bereits kurz nach der Tat: "Im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus geben wir nicht klein bei."

Die Antiterror-Staatsanwaltschaft zog die Ermittlungen inzwischen an sich. "Wir ermitteln, da wir davon ausgehen, dass der Täter die Örtlichkeiten vorher ausgekundschaftet hat", sagte der Chef der Behörde, Jean-Francois Ricard, am Tatort. Auch der Tathergang, der Beruf der Frau und "Äußerungen des Angreifers" deuteten auf eine terroristische Verbindung hin. Die Ermittlungen stehen allerdings noch am Anfang.

Angreifer war offenbar nicht vorbestraft

Die 48-jährige Angestellte war aus ihrer Mittagspause in das Polizeirevier in der Kleinstadt Rambouillet zurückgekehrt, als sie im Eingangsbereich mit einem Messer attackiert wurde. Sie erlag kurze Zeit später ihren Verletzungen im Halsbereich.

Der Angreifer wurde niedergeschossen und starb wenig später, wie die Behörden mitteilten.

Der Mann habe die tunesische Staatsbürgerschaft besessen, sich legal in Frankreich aufgehalten und keine Vorstrafen gehabt, so die ersten Erkenntnisse der Polizei. Den Sicherheitsbehörden sei er nicht bekannt gewesen.

Polizisten nahmen vier Menschen aus dem Umfeld des 36-Jährigen in Gewahrsam, wie Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigten. Ob die Menschen aus dem Umfeld tatsächlich etwas mit dem blutigen Angriff zu tun hatten, blieb unklar. Es ist in Frankreich durchaus üblich, nach Terrorangriffen Personen in Polizeigewahrsam zu nehmen, die mit mutmaßlichen Tätern in Verbindung standen. Ermittler durchsuchten nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP zwei Wohnungen, auch die des aus Tunesien stammenden Tatverdächtigen.

Premierminister Jean Castex (mi.) und Innenminister Gerald Darmanin (li.) fuhren sofort zum Tatort südwestlich von Paris. | AFP

Premierminister Castex (mi.) und Innenminister Darmanin (li.) fuhren sofort zum Tatort. Bild: AFP

"Gegen jegliche Form des Terrorismus kämpfen"

Premierminister Jean Castex sprach den Angehörigen, Kolleginnen und Kollegen der getöteten Beamtin sein Beileid aus. Er machte deutlich: "Ich möchte allen Französinnen und Franzosen sagen, dass wir mehr denn je entschlossen sind, gegen jegliche Form des Terrorismus zu kämpfen."

"Starke Bedrohung" gegen die Polizei

Die Regionalpräsidentin Pécresse sagte dem Fernsehsender BFM-TV, es gebe weiter eine "starke Bedrohung" gegen die Polizei. Polizisten und Soldaten waren in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel islamistischer Angriffe.

Im Herbst 2019 tötete ein Angestellter im Polizeihauptquartier in Paris vier seiner Kollegen mit einem Messer. Die Ermittler gehen von einem Terrorhintergrund aus. 2017 tötete ein Mann auf der Pariser Avenue Champs-Élysées einen Beamten und verletzte zwei Polizisten.

Mit Informationen von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. April 2021 um 17:00 Uhr.