Toter Fisch in der Oder | dpa

Fischsterben Oder auf lange Zeit geschädigt

Stand: 15.08.2022 13:04 Uhr

Das Ökosystem der Oder ist laut Brandenburgs Umweltminister Vogel auf lange Zeit geschädigt. Die Suche nach der Ursache für das Fischsterben kann noch dauern - bis zu 300 Substanzen kommen in Frage.

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel geht davon aus, dass die Oder durch die aktuelle Situation auf Jahre geschädigt sein wird. "Wir reden hier nicht von einer Katastrophe, die innerhalb von einem halben Jahr durch Wiederbesiedelung von Tieren gelöst werden kann", sagte er im rbb.

Aktuell liege der Fokus nur auf den Fischen, tatsächlich sei aber das gesamte Ökosystem der Oder geschädigt. "Wir haben wirklich lange Zeiträume, wo insbesondere Muscheln, Mollusken, Insekten dann Zeit benötigen, um sich wieder aufzubauen."

"Absolute Anomalie" des Wassers

Vogel sprach im rbb von einer "absoluten Anomalie" des Wassers. Man habe einen hohen Sauerstoffgehalt, einen hohen PH-Wert und eine hohe Salzfracht festgestellt - dies könne auch die konkrete Ursache für das massenhafte Fischsterben sein. Wie diese hohen Werte zustandekamen, ist indes nicht geklärt. Auch sei unklar, ob noch weitere Stoffe in die Oder gelangt seien. "Die Polen fahnden jetzt nach insgesamt 300 Stoffen, sie haben angegeben, dass sie jetzt auch gezielt nach Insektiziden im Wasser und in den Fischen suchen."

Es gebe allerdings einen kleinen Lichtblick: Die akute Giftwelle sei offenbar vorbei, sagte der Grünen-Politiker. Inzwischen seien wieder viele kleine Fische eingeschwommen. Dennoch müsse man davon ausgehen, dass die Katastrophe noch lange Folgen haben werde.

Untersuchungen brauchen Zeit

Die Untersuchung des Oderwassers auf giftige Substanzen läuft zwar auf Hochtouren, kann aber dennoch einige Zeit in Anspruch nehmen. "Es kann noch mehrere Tage dauern, bis wir alle Stoffe, die wir für möglich halten, dann auch durchgecheckt haben", so Vogel. "Das Landeslabor ist da eifrig dabei."

Polen hatte Hinweise schon Ende Juli

Derweil wächst in Deutschland der Unmut über die spärlichen Informationen aus Polen. "Das lief nicht, wie es sein müsste", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke vor einem Besuch am Ort der Umweltkatastrophe. Der SPD-Politiker machte sich bei Lebus nördlich von Frankfurt an der Oder ein Bild der Lage.

Giftiges Quecksilber ist nach polnischen Angaben nicht die Todesursache der Fische, die seit Tagen tonnenweise aus dem deutsch-polnischen Grenzfluss geborgen werden. Was hinter dem Desaster steckt, ist immer noch unklar. Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben schon Ende Juli erste Hinweise, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben.

Lemke: Folgen möglicherweise für Jahre

Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke erklärte bei einem Besuch im polnischen Stettin gestern, die Auswirkungen könnten sich möglicherweise auf Jahre erstrecken. Die genauen Folgen seien noch nicht absehbar.

In Stettin hatte sie gestern ihre polnischen Amtskollegin Anna Moskwa getroffen. Man habe "gute und gemeinsame Schritte" vereinbart. Dazu zählen insbesondere Verbesserungen bei den Informationsketten. Ziel sei nun die Schadensminimierung, die Information und der Schutz der Bevölkerung sowie die Identifizierung des Verursachers. "Es ist klar, dass wir uns einer wirklich schlimmen Umweltkatastrophe gegenübersehen", sagte die Ministerin

Fischkadaver werden seziert

Polens Umweltministerin Anna Moskwa sagte, dass bislang keine toxischen Substanzen entdeckt wurden. Die Fische seien auf Quecksilber und andere Schwermetalle untersucht worden. Auch auf Pestizide werde geprüft. Zudem sollen Fischkadaver seziert und das Verhalten der Fische kurz vor ihrem Verenden untersucht werden.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 15. August 2022 um 05:44 Uhr sowie die tagesschau um 09:00 Uhr.