Jean-Paul Belmondo | EPA
Nachruf

Tod von Jean-Paul Belmondo "Ein Schauspieler ist niemand, der bleibt"

Stand: 06.09.2021 17:33 Uhr

Mit seinen Rollen vor allem als Actionheld erlangte Jean-Paul Belmondo Weltruhm. Und seine Leidenschaft für die Leinwand trieb ihn bis ins hohe Alter hinein an. Nun ist "Bébel" im Alter von 88 Jahren gestorben.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Tödlich getroffen bricht Belmondo auf der Straße zusammen. Der letzte Zug an der Zigarette entweicht seinem Mund. Die schöne Verräterin beugt sich über ihn und mit seinem letzten Atemzug schlägt er ihr verbal ins Gesicht: "Du bist wirklich zum Kotzen."

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

Die Schlussszene des Films "Außer Atem" ging in die Kinogeschichte ein. Der Film von Regisseur Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1960 war der Durchbruch für den damals 27-jährigen Belmondo, der eigentlich Profi-Boxer werden wollte.

Vor die Kamera statt in den Boxring

Eine Tuberkulose machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Einzig der Knick, der seine Nase zu einem seiner Markenzeichen machte, ist aus dieser Zeit geblieben.

"Mit 16 habe ich meinem Vater dann gesagt, ich werde Schauspieler - und er sagte: 'Na Gott sei Dank'", erinnerte sich Belmondo selbst. "Vorher habe ich nämlich nichts gemacht, gar nichts. Noch dazu war ich mies in der Schule."

Ein Sunnyboy bis ins hohe Alter

Das Sprechen bereitete "Bébel", wie die Franzosen ihre Filmlegende liebevoll nannten, in seinen letzten Lebensjahren Mühe. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2001 musste sich der Ex-Boxer ins Leben zurückkämpfen. Er schaffte es.

Gerne präsentierte sich Belmondo auch im hohen Alter in der Öffentlichkeit, immer noch braun gebrannt, mit strahlendem Lächeln. Ganz der Sunnyboy.

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Jean-Paul Belmondo

Ein immenses Lebenswerk

Im Februar 2018 erst stand er wieder auf der großen Bühne. Die Académie des Lumières in Paris verlieh ihm den Preis für seine außerordentliche Karriere. Belmondo war sichtlich gerührt: "Ca me fait très plaisir. Merci beaucoup." - "Das macht mich sehr glücklich. Vielen Dank."

Sein Lebenswerk, für das er bereits 2011 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, ist immens. In Frankreich war er das Gesicht der Filmbewegung "Nouvelle Vague" - als Actionheld in Filmen wie "Der Profi" oder "Der Greifer" wurde er weltweit bekannt. Und die Stunts, das war Ehrensache, drehte der Schauspieler selbst.

Mehrere private Rückschläge

Aber egal ob als Draufgänger, als Herzensbrecher oder Gentleman - Belmondo brillierte in all seinen Rollen.

Im wahren Leben allerdings musste Bébel einige Turbulenzen hinnehmen: vom Tod der Tochter über den Schlaganfall und zwei Scheidungen. Zuletzt noch die nervenaufreibende Trennung von seiner 40 Jahre jüngeren Freundin. Sie soll den Filmstar zu allem Übel auch noch finanziell ausgenommen haben.

Die Sehnsucht nach der Leinwand

All das aber konnte den Ex-Boxer nicht umhauen. Noch mit 85 Jahren wollte Belmondo wieder zurück auf die Leinwand. Spielen - für ihn eine Lebensaufgabe:

Ein Schauspieler ist niemand, der bleibt, er ist ja kein Maler, oder ein Schriftsteller. Für den Schauspieler zählt der Moment.

Von diesen Momenten hatte Belmondo unzählige in seiner mehr als 50-jährigen Schauspielkarriere. Zum Glück wurden die meisten auf Zelluloid gebannt. Als Erinnerung an einen ganz Großen werden sie so auch nach seinem Tod bleiben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. September 2021 um 18:37 Uhr.