Ein Schwein schaut durch die Stäbe eine Tiertransporters | dpa

Tierschutz EU-Parlament will Tiertransporte verbessern

Stand: 20.01.2022 17:54 Uhr

Allein im Jahr 2019 wurden gut 1,6 Milliarden Tiere in Europa transportiert - oft unter qualvollen Bedingungen. Die Abgeordneten des EU-Parlaments wollen das ändern - und erhöhen den Druck auf die EU-Kommission.

Von Holger Beckmann, ARD-Studio Brüssel

Es geht um viele Millionen lebende Tiere, die täglich und hauptsächlich auf Lastwagen kreuz und quer durch Europa transportiert werden - oder manchmal sogar auf Schiffen nach Übersee. Im Jahr 2019 waren es insgesamt gut 1,6 Milliarden, viel zu oft unter qualvollen Bedingungen. Das hat heute in der Debatte dazu im Europäischen Parlament auch kaum jemand in Frage gestellt. Im Gegenteil.

Holger Beckmann ARD-Studio Brüssel

Quer durch alle politischen Fraktionen wurden die Zustände angeprangert: Hunger, Durst, Hitze, Enge und das zusammen mit Todesangst seien für die Tiere beim Transport an der Tagesordnung. Thomas Waitz, für die österreichischen Grünen im Europaparlament, sieht darin ein Grundproblem der europäischen Landwirtschaft: "Diese Landwirtschaft hat dazu geführt, dass es immer weniger Bauernhöfe gibt. Dieses System zwingt vor allem die kleineren und mittleren Landwirte dazu, ihre Betriebe zu schließen."

"Das Wohl der Tiere beleuchten"

So wie Waitz, der selbst Öko-Landwirt ist, forderten viele EU-Abgeordnete mehr Tierschutz bei Tiertransporten. Zu offensichtlich seien die Missstände, die in einem Untersuchungsausschuss des Parlaments in den vergangenen Monaten aufgearbeitet wurden. Allerdings müsse es auch darum gehen, die Interessen der Landwirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren und für die notwendige Balance zu sorgen, hieß es vor allem von konservativen und einigen liberalen Parlamentariern.

Allerdings sei das nicht die entscheidende Frage, meinte die SPD-Europapolitikerin Silvia Noichl: "Es ist die Aufgabe, die Situation der Tiere zu beleuchten. Unsere Aufgabe ist es, eine gute Empfehlung an die Kommission zu geben. Die Kommission wird dann Papiere erstellen und dann passiert die Abwägung."

Druck auf EU-Kommission und Mitgliedsländer

Die EU-Abgeordneten sprachen sich mit deutlicher Mehrheit dafür aus, dass die Transportvorschriften verbessert werden und dass die EU-Kommission die Mitgliedsstaaten zu intensiveren Kontrollen auffordert - und gegebenenfalls auch Vertragsverletzungsverfahren auf den Weg bringt.

Ändern wird die Initiative des europäischen Parlaments noch nichts. Aber sie wird Kommission und Mitgliedsländer unter Druck setzen. Die zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakidis versicherte dem Europaparlament, dass sie die Initiative sehr ernst nehme. Sie sei sich der großen Verantwortung dem Tierwohl gegenüber bewusst, so Kyriakidis, aber genauso gegenüber den Bauern, den Bürgerinnen, der gesamten Gesellschaft.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Januar 2022 um 11:33 Uhr.